Die drei Gründer der Vereinigtenbruderschaft
   

Ob die drei Gründer zu der damaligen Zeit eine Ahnung hatten von der sich in diesem Jahrhundert anbahnenden ersten industriellen Revolution, deren Tragweite nur von wenigen erkannt wurde, sei dahingestellt.

Jedenfalls gab es damals das so genannte „Manufakturwesen“, das sich seit Beginn der „Neuzeit“ im 16. Jahrhundert unter dem Schutz landesherrlicher Privilegien entwickelt hatte. Dieses beruhte noch auf den alten Betriebsmitteln wie im Mittelalter, wo im Handwerklichen Betriebsarbeit und Besitz meistens noch verbunden gewesen sind und der Handwerker in vielen Fällen die Möglichkeit gehabt hat, selbst zum Unternehmer zu werden, wenn er als Meister eine Werkstätte eröffnete. Erst die Erfindung des mechanischen Webstuhls (1777/1778) und der Dampfmaschine (1764, verbessert 1782) schuf die moderne Fabrik, und ein neuer Stand begann sich zu bilden: der Arbeiterstand im modernen Sinne des Wortes, der zu arm war, sich das Produktionsmittel anzuschaffen und darauf angewiesen war, dass ein begüterter Mann, später als Kapitalist bezeichnet (nicht mit dem Handels- und Geldverleih-Kapitalisten gleichzusetzen, wie er bisher aufgetreten war), der mit seinen neuen Betriebsmitteln (=Maschinen) ihm Arbeitsmöglichkeiten angeboten hat. Hier konnte der Fabrikarbeiter nur in ganz seltenen Fällen so viel erwerben, dass er selbst Unternehmer im neuen Sinn werden konnte. Es gab im Anfang auch keine Gesetze, die wenn man nicht den im christlichen Sittengesetze festgelegten als Sünde bezeichneten Begriff der „Vorenthaltung des gerechten Arbeitslohnes“ hinstellen will, der aber durch kein staatliches Gericht eingeklagt werden konnte. Auch gab es keine soziale Fürsorge, keine Krankenversicherung, keine Vorsorge für Arbeitslosigkeit etc. Vielleicht war es nicht so sehr Bosheit und Verantwortungslosigkeit, sondern mehr deshalb, weil man der Entwicklung, die mit dem Aufschwung der modernen Technik eingesetzt hatte, völlig hilflos gegenüberstand und die erst begriff, als Not und Elend schon übergroß geworden waren.

Es war genau das Jahrhundert, in dem die Vereinigten-Bruderschaft gegründet worden war, wo am Horizont der Zeitgeschichte jenes Phänomen der Beschleunigung des Ablaufes der Menschheitsgeschichte einsetzte, die im vorigen Jahrhundert den Lauf begann, und die in unserem auslaufenden Jahrhundert selbst die Wissenschaftler mit zunehmender Aufmerksamkeit verfolgen und mit wachsender Unruhe wahrnehmen.

Damals erbaten drei Mitglieder der St. Leonhardsbruderschaft von der weltlichen und geistlichen Obrigkeit Franz Baron Schaffmann, Pfleger von Moosham und Sebastian Schallhammer, Archidiakonalkommissär im Lungau, das Recht, in der 1737-1741 neu erbauten Pfarrkirche von Tamsweg einen eigenen Jahrtag, jeweils am Dienstag in der Fronleichnamsoktav, feierlich abhalten zu dürfen. Dieser Jahrtag sollte von den kleineren Zünften als da waren die Nagelschmied, die Kupferschmied, die Huterer, die Glaserer, die Uhrmacher, die Färber, die Kranzlmacher, die Wirte, die keiner Brauer waren, die Weißgerber, die Riemer, die Binder etc. gestaltet werden.

 

   
   
   
   
   
   
   
   
   
         
   

Wer waren nun diese drei Männer? Das Bruderschaftsbuch von 1737 nennt uns ihren Namen:

 Johann Josef Löcker, Weißgärber

 Geboren in Tamsweg, am 14. Oktober 1709. Sohn des Josef Löcker, bürgerlicher Weißgärber hier und der Elisabeth Prünngraberin. Er hatte als Geschwister zwei Schwestern Maria (geb. 1699), Margaretha (geb. 1702) und einen Bruder: Wolfgang (geb. 1706). Er selbst, wie gesagt 1709 geboren, war der jüngste Sohn. Sein Bruder Wolfgang heiratete nach Spittal a. d. Drau und war dort Ratsbürger und Weißgärber. Johann Josef heiratete am 7. Oktober 1732 eine Maria Leitspergerin, Tochter des Johann Leitsperger und der Maria Hebenstreitin, nach Schladming.

Es scheint aber sein Vater Josef Löcker, Ratbürger und Weißgärber in Tamsweg der eigentliche Gründer der Vereinigten gewesen zu sein, wenn nicht in der Tat, so doch im Rat, und sein Sohn wird für ihn den Namen hergegeben haben. Dieser Vater Josef Löcker war geboren in Tamsweg, am 29. Jänner 1666. 1692 ist er in die St. Leonhardsbruderschaft eingetreten. Somit war er 45 Jahre lang Mitglied der St. Leonhards-Bruderschaft. Er kannte die Zusammenhänge genau und ist mit 68 Jahren am 3. Juni 1734, also 3 Jahre vor der Gründer der Vereinigten-Bruderschaft gestorben.

 
Jakob Ferner, Bindermeister

 In Tamsweg geboren am 22. Jänner 1674. Im Jahr 1720 ist er in die Leonhardsbruderschaft eingetreten. Getraut ist er nicht in Tamsweg. Seine Frau war eine geborene Ferner Katharina. Sie starb als Witwe mit 82 Jahren im Jahre 1773. Er selbst ist nicht in Tamsweg gestorben. Die Zahl seiner Kinder ist sieben: Maria Katharina (7. Oktober 1718, früh gestorben), Rosina Elisabeth (1. Oktober 1720), Anna Maria (20. Feber 1725), Jakob Franz (14. Mai 1727), Maria Gertraud (10. März 1730) und Maria Katharina (13. April 1733).

Sein Sohn Jakob war ebenfalls bürgerlicher Bindermeister in Tamsweg und wurde am 25. Oktober 1757 mit Barbara Lederwasch, Tochter des Gregor Lederwasch, Mesner und Maler in St. Leonhard und der Anna, geb. Patrunig, getraut. Über ihn gehen die Binder in Tamsweg, Markt Nr. 45, Nr. 113 und Markt  Nr. 154 herauf bis Batholomäus Gerner, geb. 19. Feber 1903. Das Haus heißt ohnehin „Binder-Bartl-Haus“, Mark Nr. 119.


Johann Georg Kopfmüller, Riemermeister

Nach seinem Sterbedatum zu schlissen wurde er um 1690 geboren. Sein Geburtsort lag wahrscheinlich in der Oberpfalz. Er war der Sohn des Leonhard Kopfmüller und dessen Frau Maria aus Aichkirchen in der Oberpfalz, in Bayern. Er kam als Handwergsgeselle nach Tamsweg und verheiratete sich mit Maria Perschl geb. Zann, die Witwe und Riemermeistern war. Die Trauung fand in Tamsweg am 16. Juli 1713 statt. Dieser Ehe entsprang eine Tochter namens Maria Katharina, geb. 11. August 1714 in Tamsweg. Er heiratete ein zweites Mal in Tamsweg im Jahre 1757 und zwar die Weberstochter Margarethe Ferner. Gestorben ist er mit 76 Jahren am 2. Jänner 1766 als des inneren Rats Bürger und Riemermeister all da. Er wohnte im Rimerhaus, Markt Nr. 129, das heutige Stöcklwirtshaus. Der Name Kopfmüller oder Kupfmüller verliert sich nach 1805 aus den Matriken der Dekanatspfarrkirche St. Jakob.

   
         
  Das Werden des Vereinigten

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Dämmerung

Tamsweg in der dritten Dekade des 18. Jahrhunderts. Im Ort leben ca. 750 Seelen. Zusammen mit den dazugehörigen Dörfern, zu denen Seetal nicht gerechnet wird, zählt die Gemeinde etwa 2.300 Einwohner. An die 150 Häuser findet man im Markt, deren etwa 19 Gasthäuser sind. Dominierend, ungefähr in der Mitte des Marktplatzes, steht das Gerichtshaus mit der angebauten großen hölzernen Gerichtshalle. Mehrmals jährlich müssen sich hier die Bewohner der Gemeinde bei hoher angedrohter Strafe versammeln, damit man ihnen die neuesten Gesetze mitteilen kann. Noch 1606 ordnete Erzbischof Wolf Dietrich an, dass dieses 

… den Untertanten zweimal des Jahres wohlverständlich eröffnet werden soll, auf dass sich zukünftig niemand der Unwissenheit zu entschuldigen habe. 

Auch die Strafen, die auf Verstoß gegen diese Gesetze festgesetzt worden waren – ein Schlosser, der auf Teig- oder Wachsabdrücke Schlüssel anfertigt, soll mit dem Verlust einer Hand bestraft werden – verlautbart man bei diesen Anlässen. Hier werden die Gerichtsverhandlungen abgehalten, entschieden, der als neuer Bürger aufgenommen werden wird, wer für die nächsten ein, zwei Jahre der Marktrichter werden soll und vieles mehr. Die große hölzerne Halle, die Schranne, wie man sie sonst nennt, wird im Übrigen als Einkehrgasthaus genützt. Oft werden hier Tanzveranstaltungen abgehalten. Der Größe halber eignet sie sich dafür im Markt am besten. Man findet aber auch nichts dabei, Zugvieh in dieser Halle unterzustellen.

Der Ort lebt in der Mehrzahl vom Eisen- und Salzhandel, aber auch von den Gästen, die von weit her nach St. Leonhard wallfahren.

Das Eisen, das in der Umgebung abgebaut wird, wird hier zwischengelagert und von Venedig bis Nürnberg in alle Städte nördlich und südlich der Alpen verkauft. Tuch, Wein, edle Gläser und Spezereien wandern in die Gegenrichtung.

Der Handel blüht, und auch der Ruf der Kirche St. Leonhard ist weit über Österreich hinaus bekannt. Sie wird von den Kapuzinern, die Erzbischof Paris Lodron während des 30jährigen Krieges hier herschickte, um die die protestantische Bewegung ein für alle Mal einzudämmen, betreut. Der Orden, der für seine Volksnähe bekannt ist, unterhält in Tamsweg ein großes Kloster. Hier wird von den Ordensbrüdern aus allerlei Kräutern ein „Zauberpulver“, die „Brevemasse“, hergestellt, das den Hilfesuchenden Einwohnern gegen Krankheiten und sonstiges Ungemach mitgegeben wird. Es ist üblich, dass sich der Beschenkte in der folge ebenfalls als großzügig erweist. Die Kapuziner, deren von kirchlicher Seite damals umstrittene Ordensmaxime die Armut ist, verstehen es besser, auf das einfache Volk einzugehen, als die eher wohlhabenden weltlichen Priester. Sie sind es auch, die den zum Tode verurteilten Verbrechern und Zauberern das letzte Geleit geben. An Hinrichtungen wie die des Berlich Rottenstainer, der 7mal mit einer glühenden Zange „gezwickt“ wurde, dann von unten nach oben gerädert und hernach mehr tot als lebendig in Feuer geworfen wurde, kann man sich noch gut erinnern, zumal bei diesen Anlässen die 12 bis 14 Mann mit Hellebarden, die man diese lanzenartigen Stoß- und Hiebwaffen nennt, notwendig sind, um die anströmenden Zuschauer abzuwehren. Als Bürger gilt nur jener Tamsweger, der auch ein Haus besitzt und nach Erlegung eines hohen Geldbetrages in die Gemeinde offiziell aufgenommen wird; und nur als solcher kann er auch ein eigenes Gewerbe ausüben. Etwa ein Drittel der Bevölkerung, die Handwerksgesellen, Lehrlinge etc.; die im Hause des Meisters wohnen, sind also keine Bürger sondern nur Inwohner. Noch weiter unten angesiedelt sind die Dienstboten, das Gesinde und die Knechte. Die volle leibliche Abhängigkeit von ihrem Herrn ist ihnen unbestritten – das Recht auf Prügelstrafe diesem zugesichert.

Zur Wahrung ihrer Standesinteressen haben sich die Gewerbetreibenden in Zünften zusammengeschlossen. Bei ihrem regelmäßigen Versammlungen wird die Zahl der künftig aufzunehmenden Lehrjungen bestimmt, werden die Meisterstücke begutachtet, die den Abschluss der Ausbildung eines jeden Gesellen darstellen, werden die Preise festgesetzt, die für die einzelnen Waren zu verlangen sind, wird bestimmt. Ob beispielsweise noch Bedarf für einen weiteren Handwerksbetrieb der Zunft im Orte gegeben ist oder ob dadurch dem ansässigen Meister zuviel Konkurrenz zugemutet wird. Auch auf Ehre der Zunft wird mit wachsamen Augen geachtet. Wer etwa einen Scharfrichter, einen Zöllner, Totengräber oder Gefängniswärter zum Vater hat, ist im Vorhinein von allen Innungen ausgeschlossen. Kurzum, bei den Versammlungen der Gesamtheit der Innungsmitglieder, „in offener Lade“, wie der stehende Ausdruck dafür lautet, wird über all das entschieden, was für einen reibungslosen Ablauf des Gewerbes notwenig ist. Zu diesen Anlässen trifft man sich in einem dafür ausersehen Gasthaus – der „Herberge“ – von der man sich nach der abgehaltenen Zusammenkunft und dem gemeinsamen Mahl unter Musikbegleitung zum Gottesdienst in die Pfarrkirche begibt. Auch Viertelladen gibt es in Tamsweg. Um eine solche errichten zu können, müssen mindestens drei Meister von ein und demselben Fach ansässig sein. Auch diese Viertelladen halten ihre Treffen in der Herberge ab, stellen eigene Ordnungen auf, müssen diese jedoch vom Landesfürsten in Salzburg bestätigen lassen. Die Viertellanden sind einer in Salzburg befindlichen Hauptlade angeschlossen, an die sie Abgaben zu entrichten haben.

Den Mittelpunkt jeder Innung stellt ihre Herberge dar. Beim Herbergsvater, einem Gastwirt, wird die Zunftlade (eine kleine Truhe mit zwei Schlössern) aufgewahrt. Sie enthält nebst Zunftkasse und Zunftordnung alle übrigen wichtigen Aufzeichnungen Wegen eben dieser Zunftlade wurden die gemeinsamen Versammlungen mit dem stehenden Ausdruck „in offener Lad’“ bedacht. In dieser Epoche ist der Arbeitstag lang und der Lohn karg. Aber nicht nur bei den Gewerbetreibenden wird vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang gearbeitet. Auch die Bauern und alle anderen müssen das natürliche Licht nach Leibeskräften nützen, um den Boden das wenige abzuringen, das meist gerade noch reicht, um über den Winter zu kommen und die Steuern zu zahlen – der Landesfürst und die Grundherrschaften leben ja recht aufwendig. Einzige willkommene Ausnahme sind nebst den Sonntagen die häufigen Prang- und Feiertage, bei deren regelmäßig stattfindenden theatralisch gestalteten und prunkvollen Prozessionen sich Abwechslung und Erholung bietet. Hier wird dem einzelnen die Möglichkeit vorgegeben, aus seinem tiefen Glauben die Kraft zu schöpfen, die er braucht, um seinen Alltag zu bewältigen. Als treibende Kraft dieser Prangprozessionen steht die St. Leonhardsbruderschaft. Vorbereitet jedoch werden sie von den Ordenbrüdern des Tamsweger Kapuzinerklosters.

Da diese mit riesigem Pomp abgehalten werden, musste man bald daran gehen, eine eigene Bruderschaftshütte zu Aufbewahrung der Prozessionsutensilien nächst dem Kloster zu erricht. Passions- und Comedikleider, Kästen, Truhen, Kreuze, Kutten, ja sogar ganze Wagen samt „Schloapfen“ u.v.m. werden hier gelagert. Auch eine Bühne wurde in dieser „Hütte“ eingerichtet, auf der man währen des Jahres Theateraufführungen veranstaltet. Ein eigener Prozessionsmeister befindet sich unter den Ordensbrüdern, der für einen prachtvollen Ablauf der Prozessionen zu sorgen hat. Prozessionen, zu denen man von weit her kommt, um sie wenigstens ein Mal erlebt zu haben. Prozessionen aber auch, die den Ort in vielerlei Hinsicht zum blühen bringen. Geschlossen an vorderer Front nehmen die einzelnen Zünfte unter jeweiliger Fahne an der Prang teil – auch die, welche nur einer Viertellade angehören. Wie bereits erwähnt, müssen wenigstens drei Meister eines Faches im Ort ansässig sein, um zumindest diese Viertellade bilden zu können. Die wenigen Gewerbetreibenden aber, die ob ihrer geringen Zahl nicht einmal dies können, müssen ganz hinten mit dem übrigen Volk mitpilgern.

   
         
   

Morgenröte

Drei Meister verschiedener Gewerbe waren es, die bedauerten, in Tamsweg keiner Zunft anzugehören, keinen eigenen Jahrtag mit gemeinsamen Mahle und Kirchgang feiern und kein gastliches Haus als ihre Herberge nennen zu können. Es waren dies der Bürger des inneren Rates und Riemermeister Johann Georg Kopfmüller, der Bindermeister Jakob Ferner und der Weißgerber Johann Josef Löcker. Sie fanden sich 1737 zusammen, gemeinsam die Erlaubnis ihrer „geistlichen und weltlichen Obrigkeit“, als da waren der Archidiakonalkommissär – das war Dechant – Sebastian Schallhammer und der Pfleger in Moosham – soviel wie Bezirkshauptmann – Freiherr Franz Felix Baron Schafmann, zu gemeinsamen Abhaltung eines feierlichen Jahrtages einzuholen. Als erster Herbergsvater scheint im Jahre 1738 Johann Georg Wind, Besitzer des Lebzelter- und Bräuhauses Tamsweg Nr. 8, auf.

Der Zeitpunkt des Jahrtags wurde mit dem ersten Dienstag nach der großen Fronleichnamsprozession festgesetzt. An diesem Jahrtag sollten alle diejenigen Tamsweger Gewerbetreibenden teilnehmen können, die zu keiner Tamsweger Handwerker-Innung gehörten. Weiters mussten sich alle Brüder verpflichten, bei Beerding eines Bruders mit brennenden Kerzen zu erscheinen. Diesem wurde dann auf Kosten der Bruderschaft ein Seelenamt abgehalten, dem alle Brüder beizuwohnen hatten. Die Brüder mussten beim in den Vereinigten dreißig Kreuzer Einverleibungsgebührt und jedes weitere Jahr sechs Kreuzer Auflagegeld zahlen. Gänzlich geklärt ist nicht, ob auch die ledigen Burschen eine Einverleibungsgebühr zu zahlen hatten, wohl aber mussten sie die sechs Kreuzer Auflagegeld erbringen. Alle Jahre wurde einer ernannt, der den Jahresgottesdienst und die Begräbnisse der Brüder ansagen musste. Als Entschädigung für seine Mühe durfte er beim „Herbergsvater“ „ain Viertl Pier und umb ain Kreuzer Brodt“ verzehren. Die Zahl der Mitglieder war damals wohl geringer und der Ort kleiner.

Bei den Prozessionen konnten nur die drei Handwerksmeister mit einer eigenen Fahne mitprangen. Ob das gemeinsame weihnachtliche Stundengebet von Anfang an abgehalten wurde, lässt sich nicht mehr genau eruieren. Sicher aber ist, dass es ab dem Jahre 1765 auf die Faschingstage verlegt wurde. Eine neue gewerberechtliche Situation wurde für die drei Meister durch die Gründung des Vereinigten nicht geschaffen. Nach wie vor hatten sie ihre Abgaben an die Hauptlade in Salzburg zu entrichten, auch die Lehrlinge mussten wie ehedem dort hin zu Freisprechung. Lediglich auf das gesellschaftliche Leben hatte die Gründung des Vereinigten Einfluss, wenn auch die Möglichkeit gegenseitiger finanzieller Hilfe aus der Bruderschafskasse bei den „Vereinigten“ eingeplant gewesen sein dürfte. Dieser wurde aber „widriger Umstände halber“ bald wieder abgeschafft. Im ersten Buch der Vereinigten scheint nur ein Tamsweger Bürger als Schuldner auf der zwischen 1748 und 1754 insgesamt 53 Gulden und 50 Kreuzer geliehen hatte. Da von einer Rückzahlung nicht vermerkt wurde, mag darin der Grund für die Abänderung dieses Artikels zu finden sein. Man besann sich wieder mehr der Gemeinsamkeit. Dass Geld zu dieser Zeit in Tamsweg eine Mangelware war, lässt sich auf die Feuersbrunst im Jahre 1742 zurückführen. Das Feuer wurde um  ½ 1 Uhr nachts bemerkt. Es nahm seinen Ausgang von der „Badstube“ des Platzbräuers (ein unseliger Zeitpunkt zum Baden). Bis um 5 Uhr morgens waren bereits 44 Häuser und 6 „Ökonomiegebäude“ des etwa 150 Häuser zählenden Ortes eingeäschert. Dem Feuer fielen u.a. alle Häuser rings um den Marktplatz, in der Amtsgasse und in den beiden parallelen rückwärtigen Gassen zum Opfer. Auch die Tamsweger Schranne, die etwa dort stand, wo heute das Kriegerdenkmal steht, wurde ein Raub der Flammen. Sie wurde nicht mehr aufgebaut. In ihrem tiefen Glauben gelobten die Tamsweger, künftig alljährlich am Florianitage dem Schutzpatron einen Bittgang abzuhalten. Bei den Vereinigten begann man ab dem Jahr 1748 die Namen der Mitglieder schriftlich festzuhalten. Ihre Zahl hatte sich inzwischen auf 27 erhöht. In diesem Jahr starb auch das Gründungmitglied Josef Löcker im Alter von 39 Jahren. 29jährig war der Weißgerber also mit dabei, als man daran ging, den Vereinigten zu gründen. 10 Jahre später, 1758, verstarb 82jährig das zweite Gründungsmitglied, der Bindermeister Jakob Ferner. Nachdem dann 1766 auch das letzte Gründungsmitglied, der Riemermeister Johann Georg Kopfmüller, verstorben war, schien eine Erneuerung der Vereinigten notwendig.

Ano 1767: ist die Vereinigung wid(er) umb des Vereigten Handwerchs auf ein Neues Inducirt worden.

Etwa zur selben Zeit fand sich das religiöse Brauchtum auf seinem absoluten Höhepunkt. Die Zahl der Feiertage hatte im Laufe der Jahrhunderte enorm zugenommen, die Pracht der religiösen Feiern war während der Barockzeit immer üppiger geworden, und auch die Prozessionen entwickelten sich zu wahren kirchlichen „Festspielen“. Die Bruderschaftsfeste, die immer zahlreicher geworden waren, galten seit 1752 nicht mehr nur für die Männer, sondern auch für die Frauen und Mädchen. Da gleichzeitig die Ausgaben der absolutistischen Fürsten immer höher wurden, musste diesem wirtschaftlichen Faktor „Feiertag“, an dem ja nicht gearbeitet wurde, entgegengearbeitet werden. Gearbeitet von Seiten der Obrigkeit. Für Tamsweg stellte sich die Sachlage jedoch umgekehrt. Das Verzeichnis der St. Leonhardbruderschaft, das bis zum Jahre 1508 im Gebrauche stand, enthält allein 4.740 Namen. Mitglieder aus Prag, Heidelberg oder aus Orten Kroatiens stehen darin verzeichnet. Entsprechend prachtvoll waren die Prozessionen, entsprechend zahlreich die Besucher. Und Tamsweg lebte gut dabei.

Die Tamsweger haben in dieser Zeit mit einer Seuche zu kämpfen. Sie nennt sich „Faulfieber“. 1768 werden innerhalb von 3 Monaten 900 Lungauer davon befallen und 200 sterben an den Folgen. Der Kuenburgsche Zehenthof am linken Ufer des Lessachbaches vor der Mündung in die Taurach, wird als provisorisches Krankenhaus verwendet. Die Bewohner der drei darunter liegenden Anwesen, Melchartl-, Reiter- und Ottingermüller, werden danach ebenfalls infiziert. Wahrscheinlich wurde die Wäsche der Seuchenstation am Bach gewaschen. In diesem Wirrnissen der Zeit zwischen aufgeklärtem und mittelalterlichem Geistesgut setzt der Salzburger Erzbischof Hiernoimus Graf Colloredo eine avantgardistische Tat. Er zwingt die Tamsweger Kapuziner zur Herausgabe ihre „Zauberpulvers“, eines – sicher in gutem Glauben – aus verschiedenen Kräutern hergestellten geweihten Pulvers, der so genannten „Brevemasse“ und lässt das ganze zur Mur kippen. Den Kapuzinern entstand dadurch ein relativ hoher Verlust – allein die Beschaffung der Kräuter war kostspielig – erhielten sie doch für die Weitergabe dieses Pulvers von der Bevölkerung für die Erhaltung des Klosters wichtige Geschenke. Ein neuerliches Verteilen weiteren Pulvers wurde ihnen mittels Konsistorialerlasses aus dem Jahre 1777 strengstens verboten. Auch die theatralischen Darstellungen bei den Prozessionen der St. Leonhardsbruderschaft wurden mehr und mehr zurückgedrängt, bis auch das Bruderschaftshaus, in dem die Prozessionsutensilien gelagert waren, entbehrlich und in der Folge am 6. September 1776 verkauft wurde. Dem Druck der aufgeklärten Zeit weichend, mussten diese bäuerlich groben Kapuziner, die einfach und volksverbunden gewirkt hatte, 1782 Tamsweg verlassen. Das größte, aber von den wenigsten bewusst wahrgenommene Überbleibsel dieser frommen Brüder, sind die Obstbäume. Sie wurden von den Kapuzinern im Lungau, wo sich zu dieser Zeit außer Kirschen absolut kein Obst fand, wahrscheinlich wieder eingeführt. Wahrscheinlich „wieder“ deswegen, weil es möglicherweise früher bereits Obstbäume hier gegeben haben könnte.

1772, als Erzbischof Colloredo die Regierung des Erzstiftes antrat, waren in Österreich und Bayern die Zahl der Feiertage bereits drastisch verringert und auf Sonntage verlegt worden Schon allein der Einheitlichkeit halber bemühte sich auch er in Salzburg energisch um eine angleichende Einschränkung. Aber auch wirtschaftliche Überlegungen mögen eine Rolle spielen, denn wer feiert, kann nicht arbeiten und daher auch weniger Steuern zahlen. Da diese Feiertage neben den Sonntagen praktisch die einzige Freizeit waren, die dem Landvolk angesichts der langen Arbeitstage verbleib, stieß er dabei auf beharrlichen Widerstand. In Urkunden aus dem Jahr 1791 steht zu lesen, dass an solchen Tagen außer im  Pfarrhaus und im Pfleggericht zu Tamsweg nirgendwo gearbeitet wurde; doch bereits 1797 machte man dem Volk in der Frage dieser abgeschafften Feiertage wieder Zugeständnisse.

Aber zurück zum für die Tamsweger entscheidenden Jahr 1779. In diesem Jahr ergeht erstmalig ein Verbot der punkvollen Passionsspiele und Karfreitagprozessionen. In verschärfter Form wird dies am 31. Juli 1782 wiederholt. Es werden die Birkenstauden, die den Prozessionsweg schmücken, untersagt, da das Herausschneiden dieser Waldungen stark beschädigt; und auch die Prangstangen werden aus ähnlichen Gründen bei den Prozessionen verboten. Um keine allzu großen Entrüstungsstürme zu riskieren, wird bei den feierlichen Umzügen und Prozessionen auf dem Lande das Tragen der Bruderschaftskutten und –stäbe noch geduldet. Neuanschaffungen dieser Bruderschaftsmäntel müssen aber künftig unterbleiben. Ebenfalls untersagt wurde das Herumtragen geschnitzter Figuren, des Samsons, aber auch vieler anderer Umgangsriesen bzw. Umgangsgruppen, übergroßer Fahnen, wie auch die Darstellung biblischer Szenen auf fahrbaren Bühnen und dergleichen bei eucharistischen Prozessionen. Ja selbst die Abhaltung des 1742 nach der großen Feuerbrunst gelobten Bittgangs am Florianitag wird ihnen verboten. Als 1788, also zwei Jahre darauf, in Tamsweg wieder ein Brand ausbricht und sich die Bewohner nun mit der Bitte an ihre Obrigkeit wenden, den abgeschafften Kreuzgang wieder abhalten zu dürfen, werden sie abgewiesen. Diese rigorose Unterdrückungspolitik, aber sicher auch die aufklärerischen Strömungen der Epoche, hatten das langsame Verschwinden der St. Leonhards-Bruderschaft zur Folge. Für die Brügerschaft von Tamsweg bedeutet dieses „Aus“ all ihrer feierlichen Traditionen eine herbe Enttäuschung und eine große finanzielle Einbuße. Und dies zu einer Zeit, da auch der Bergbau – kaum noch rentabel – nur mehr von seiner einstigen Blüte träumen konnte. Äußeres Zeichen dieser Entwicklung war ein knapp 15%iger Bevölkerungsrückgang in den folgenden 50 Jahren. 1796 zählte man im Lungau noch 14.958 Einwohner, während es 1846 nur mehr 12.746 waren. Ein absoluter Kältepol. Aber nicht nur im Geist der Aufklärung, der zum Untergang der St. Leonhardsbruderschaft viel beitrug, sondern auch der Verlust der Landeshoheit an Bayern und Österreich liegt Ursache des wirtschaftlichen Abstiegs. Unter diesem Aspekt des Umschwungs ist auch die zweite Erneuerung der Vereinigten 1786 zu sehen. Seit 10 Jahren, seit 1776, da man die Aufbewahrungshütte der St. Leonhards-Bruderschaft samt der Bühne und den Requisiten versteigert hatte – auch die Kapuziner mussten bereits vor 5 Jahren Tamsweg verlassen – wurden die beliebten Prozessionsfiguren, zu denen auch der Samson zählte, immer mehr aus dem religiösen Bereich verdrängt. Diese Figuren mussten verbrannt werden, und es gab einige Aufregung, als eine landesfürstliche Kommission feststellen musste, dass von offizieller Seite zwar die Verbrennung aller dieser Figuren gemeldet wurde, aber einige davon von aufrechten Lungauern versteckt und so gerettet worden waren. Nicht verboten war es allerdings, diese Spiele außerhalb der kirchlichen Feierlichkeiten abzuhalten. Es ist also anzunehmen, dass bei der letzten Erneuern der Vereinigten viele Elemente der Prozessionstheatralik auf den Vereinigten Festzug übertragen wurden. Im Zuge dieser Änderungen wurde auch die Einverleibungsgebühr von 30 Kreuzer abgeschafft. In Hinkunft ist nur mehr die Auflage zu entrichten. Auch der Geldverleih wurde, wie bereits angedeutet, „widriger Umstände halber“ gestrichen. Was die Beschränkung der Miglieder auf Handwerkstreibende betraf, so rang man sich hier zu einer weiteren Öffnung durch. In Hinkunft sollten auch die „freien Künste“ – so der Maler Gregor Lederwasch und der Bader Josef Vogt – dem Vereinigten angehören können. Man zählte in diesem Jahr 38 Mitglieder.

Da die kirchlichen Verbote bezüglich der Ausschmückung der Prozessionen besonders bei der Landbevölkerung auf Widerstand stießen und sich nie ganz durchsetzen konnten – die Zederhauser Prangstangen, die großen Fahnen und die Prangstauden heutiger Prozessionen illustrieren das deutlich – sah man sich bereits 1794 gezwungen, die rigorosen Anordnungen des Erzbischofs zu lockern. Bei Kürsinger findet sich für 1794 dazu folgende Passage:

In diesem Jahre ist wieder zum erstenmahle das Aufziehen und Paradiren bey der Frohnleichnams-Prozession erlaubt worden, aber ohne Salven zu geben, und auch ein neuer Schützenfahn gemacht worden, der 42 Gulden und 46 Kreuzer gekostet hat. 

1797 wurden die Lungauer jähe aus ihrem gewohnten Leben gerüttelt. Schon am 25. März liefen erste Nachrichten ein, dass französische Truppen in Villach eingerückt seien. Auch österreichische Soldaten flohen bereits auf dem Rückzug über die Tauern Richtung Salzburg. Als das Nahen der Franzosen am 28. d. M. noch einmal bestätigt wurde, begannen die Bürger der größeren Lungauer Orte, ihre Wertsachen auf den Bergen und in einsam liegenden Bauernhäusern zu verbergen. Am 4. April gegen 7 Uhr abends kann die Nachricht, dass die feindlichen Truppen bereits in Ranten seien. Diese Nacht über war in Tamsweg alles in Bewegung. Aus einer Aufzeichnung im Praffarachiv zitiert der Chronist V. Hathexer zu diesen Geschehnissen folgendes:

Wer seine besten Sachen noch nicht in Sicherheit gebracht hatte, suchte es jetzt zu tun und viele, vorzüglich aber Weiber und Kinder nicht nur vom Markte, sondern auch von nächst herumliegenden Dörfern flüchteten sich in die weit entlegenen Bauernhäuser, einige wohl gar in Wälder.

Am nächsten Tag gegen 3 Uhr nachmittags war es dann soweit. Die napoleonische Armee rückte mit 5.000 Mann im Lungau ein. Kavallerie versuchte noch letzte flüchtende kaiserliche Soldaten vor dem Tauern einzuholen, die aber entkamen. Stattdessen erwischten sie noch eine vornehme Frau von Tenier, die aus Klagenfurt mit 80.000 Gulden zu entkommen suchte. Sie wurde geplündert. In Tamsweg schlugen die Franzosen ihr Hauptquartier im ehemaligen Kapuzinerkloster, das mittlerweile als „Pfleg“ (Bezirkshauptmannschaft) genützt wurde, auf. Sie zitierten sogleich den Archidiakonalkommissär (Dechant) zu sich und verlangten von ihm die Herausgabe aller fürstlichen Gelder. „Die Gemeinde möge er beruhigen, denn es habe niemand etwas zu befürchten.“ Als dann aber in der Pflegekasse nicht mehr als 700 Gulden waren, forderten sie, dass man ihnen bis 8 Uhr abends 4.518 Gulden zu überbringen habe, was dann auch geschah. Weiters verlangten sie 222 Ochsen, entsprechend viel Korn, Weinbrand, Leinwand, Schuhe, Stiefel, Brot, Hafer, Heu, Stroh etc. Da es die erste Aufgabe eines Staates ist, mit den Steuern ihrer Bürge zu schützen, durften die Tamsweger ihre „Steuern“ für ihren neuerlichen „Schutz“ noch einmal entrichten Die Soldaten wurden in der Umgebung einquartiert, wo sie sich ihrerseits bedienten. Da den Soldaten Gewalttätigkeiten aufs Schärfste verboten waren, hatten sie für ihre Plünderungsaktionen nur spärliche Rückendeckung. Als in Wölting etwa ein plündernder Soldat einen Bauern schwer verletzte, indem er ihm durch den Schenkel schoß, erschlugen ihn dessen Knechte. Der französische General, dem die Bauern den Hergang selbst berichteten, hieß diese mutige Tat gut, da den Soldaten Gewalttätigkeiten strengstens verboten waren. Er hinterlegte beim Abzug der Truppen sogar 41 Gulden für die Pflege des verwundeten Bauern, der allerdings nach drei Wochen verstarb. Der größte Teil der Truppe zog bereits nach zwei Tagen wieder weiter. Nur in Mauterndorf bleib bis zum 27. April ein Vorposten zurück.

1801 wurde – nach der Darstellung des Sparkassendirektors Paul Keusch – die Tamsweger Bevölkerung wiederum vom 5. Jänner bis zum 30. März (in der Tamsweger Chronik findet man auf der Seite 310 auch die Daten 3. Jänner bis 18. März) von französischen Besatzungstruppen in Atem gehalten. Diesmal war es sogar ernst, dass man den Vereinigten mit Lob und Dankamt und Tedeum (Lobgesang) auf den 6. Mai verlegte.
Bei Paul Keusch steht ausdrücklich zu lesen, und es wurde nie bestritten, dass man an diesem 6. Mai das größte Geschütz von St. Leonhard abfeuerte.

Um 1802 hatte sich die Lage wieder soweit normalisiert, dass man wieder daran ging, Samsonumzüge aufzuführen. Valentin Hatheyer schreibt in seiner Chronik, dass man dieses wahrscheinlich seit 1770 bis 1802 nicht mehr gewagt hatte. Dem Riemermeister Josef Moser, der in dem Jahr, wie er begründete : "aus bloßer Kargheit", nur 6 Kreuzer Auflage zahlte, wurden diese wieder zurückgeschickt. Er wurde aus der Vereinigtenliste gestrichen. In diesem für Tamsweg friedvollen Jahr wurde der spätere Kommissär Josef Vogt ( seit 1793 bewährte er sich bei den Vereinigten als Protokollist und 1809 wurde er zum ersten Mal als Kommissär genannt), von Beruf bürgerlicher Chirurg, durch einen Artikel des damaligen, anscheinend radikal aufgeklärt denkenden, Salzburger Universitätsprofessors Dr. Theodor Konrad Hartleben in der Zeitung "Deutsche Justiz- und Polizei-Fama" amtsbekannt.
In diesem Artikel beschwert sich der Universitätsprofessor, von dem man annehmen kann, dass zumindest er ihn ernst nahm, über den Samsonumzug samt den begleitenden Schützen und das Geld, das man dafür verwendete;
...während Tamsweg hölzerne Kamine hat und dessen Einwohner beständig von Feuersbrünsten heimgesucht werden.
Über den Tamsweger Bader (Bader war die damals übliche Bezeichnung für einen Chirurgen) Josef Vogt, schreibt er weiters:
Der dortige Bader ist im ganzen nicht  ganz ungeschickt, aber ein besonderer Freund der Harlekinaden. An den Tagen wo er den Simson zurichtet, erhält kein Patient Audienz.
... dem die natürlichen Beinbrüche nicht sehr glücken wollen...

Der Artikel zog eine strenge amtliche Untersuchung nach sich. In der Folge wurde es um die Vereinigten etwas ruhiger. Die Zeit der wichtigsten Erneuerungen und Änderungen waren vorbei und die Statuten bewährten sich Jahr für Jahr. Auch wurden die Tamsweger durch großpolitische Ereignisse von konstruktiven Änderungen in ihrem näheren Umfeld abgehalten. Als 1803 Erzbischof Hieronimus von Colloredo abdankte, wurde Salzburg einem Bruder des Kaisers Franz II. als Kurfürstentum zugesprochen und nach dem Friedensvertrag vom 26. Dezember 1805 übernahm dieser selbst das Land. Salzburg hörte dadurch auf, ein eigenständiger Staat zu sein, und wurde so eine Provinz der Österreichischen Monarchie. Nicht nur die Aufklärung und die damit endenden prunkvollen kirchlichen Prozessionen, sondern auch der Verlust der Eigenstaatlichkeit führten zu dem wirtschaftlichen Niedergang unserer Heimat. Um für einen neuen Krieg besser gerüstet zu sein, begann man in Österreich eine Landwehr aufzustellen. Auch Tamsweg musste zusammen mit Seetal, Ramingstein, Lessach und Mariapfarr 142 Mann ernennen.
Der österreichische Aufstand 1809 wurde von den Franzosen niedergeschlagen, und im darauf folgenden Friedensvertrag musste Salzburg an Bayern abgetreten werden. Bis zu diesem Jahr lässt sich im kirchlichen Bereich der "Archidiakonalkommissär", der den Rang eines heutigen Dechants innehatte, nachweisen.
Es mag ein Zufall sein, dass man gerade in diesem Jahr bei den Vereinigten den Titel des Kommissärs (comihsair), erstmalig einführte. Der uns bereits bekannte Vereinigtenprotokollist, Josef Vogt, wurde erstmalig Kommissär der Vereinigten genannt. Es bestehen zwei Möglichkeiten, die Funktion des Kommissärs abzuleiten: Im Umfeld des Vereinigten gab es den weltlichen Handwerks-Kommissär und den geistlichen Archidiakonalkommissär. Der Handwerks-Kommissär war innerhalb des Zunftwesens am Jahrtag für die Freisprechung der Lehrlinge zuständig. Der Archidialkommissär bekleidete im kirchlichen Bereich die Stelle des heutigen Dechants. Dass man gerade den Protokollisten zum Kommissär ernannte, könnte auch auf den Handwerks-Kommissär hinweisen. Napoleon betrieb zu dieser Zeit übrigens gerade die Abschaffung der Zünfte. Dass jedenfalls der damalige Kommissär zu dieser Zeit noch nicht die Stellung des heutigen Kommissärs innehatte, geht aus der Reihenfolge der Nennung der Vereinigtenmitglieder hervor. Im zweiten Vereinigtenbuch wird 1809 Josef Vogt, ´Chyrürg und Comhisair´, erst an 12. Stelle genannt. 1810 steht er an 7., 1814 an 9. und 1815 an 5. Stelle. Im Jahr 1816 wird im 2. Vereinigtenbuch vermerkt, dass gerade am Jahrtag, Herr >>Jos. Aloys Vogt, als Handwerkhs-Kommiser umb 12 Uhr 15 Minuten Nachmittag gestorben<< ist. Er hatte sich ja auch schon bei den Samsonumzügen so aufgeregt. Daraus liegt der Schluss nahe, dass die Vereinigten mit dem Kommissär (lat.: Beauftragter) eher einen Mann in ihrer Mitte haben wollten, der die Aufgabe des Handwerks-Kommissärs vollziehen sollte. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts steht in den jährlichen Aufzeichnungen der Kommissär bereits an zweiter Stelle. Paul Keusch und J. Noggler schrieben 1930 im Protokollbuch, dass der  >>Herr Vater<< (Herbergsvater, Anm. d. Verf.) bis 1870 bei den Vereinigten die führende Stelle bekleidete.
In einem Artikel in der >>Salzburger Chronik<< wird 1891 über die Neuwahl eines Kommissärs geschrieben, der damals bereits als Führungsmitglied der Vereinigten genannt wurde. Auch von einem scheidenden Kommissär ist die Schreibe. Demnach hat sich ein Wandel in den Kompetenzen zwischen Kommissär und Herbergsvater wohl erst zwischen 1870 und 1887 vollzogen.
1810 wurde der Jahrtag der Vereinigten erst am 20. Februar abgehalten, da man sich wieder einmal mit französischen Militär zu beschäftigen hatte. Die Einwohnerzahl der Gemeinde Tamsweg (ohne Seetal) beläuft sich derzeit auf 2.263. 1815 wurde Salzburg, das Napoloen ja den Bayern abgetreten hatte, an Österreich angegliedert - wenn auch nicht ganz. Die fruchtbarsten Gebiete Laufen, Tittmoning, Teisendorf und Waging ließen sich die Bayern nicht mehr entreißen. Erst ab dieser Zeit kann man von einer Zugehörigkeit Salzburgs zu Österreich sprechen. Was für Österreich folgte, war die so genannte metternichsche Ära, auch mit Polizeispitzelstaat wird sie gelegentlich umschrieben, in der man hinter jedem Verein ein Revolutionspotential befürchtete. Keine gute Zeit für Vereine. Lediglich die Schützenverbände wurden zu dieser Zeit geduldet, ja gefördert. Das hatte man von Andreas Hofer gelernt. Zum Jahr 1827 wurde vermerkt, dass am Jahrtag so viel Schnee auf den Straßen lag, dass die Auswärtigen Vereinigten nicht kommen konnten. 1855, sieben Jahre nachdem sich Metternich so hastig verabschiedet hatte, konnte man mit ruhigem Gewissen auch bei den Vereinigten wieder in die Zukunft investieren. Um die nicht geringe Summe von 193 Gulden und 60 Kreuzer, wurde eine neue Fahne angeschafft. Auf der einen Seite der Fahne ist der Hl. Florian und auf der anderen die Hl. Dreifaltigkeit dargestellt. Über hundert Jahre hielt sie den Vereinigten oder die Vereinigten sie. Die Fahne, unter der sie gegenwärtig schreiten, wurde 1964 von Se. Excellenz Weihbischof Dr. Macheiner (späterer Erzbischof von Salzburg), Vereinigtenmitglied, geweiht.

Der helle Tag

1859 wurden durch die Einführung der Gewerbefreiheit die Zünfte ausgeschaltet. Damit hörte sich für die Tamsweger Gewerbetreibenden der Brauch um die Herbergen ihrer Zünfte mit Jahrtag, Kirchgang, Mahl und Kommissär auf. Die Zunftladen blieben ab jetzt verschlossen. Es gab für die, die in der Gemeinsamkeit einer Bruderschaft das Schöne einer ständischen Form erblickten, nur mehr den Vereinigten. Bis zum Jahr 1870, so lässt sich mit großer Sicherheit feststellen, bekleidete der >>Herbergsvater<< die führende Rolle im Vereinigten. In einem der folgenden 18 Jahre ging diese auf den Kommissär über. 1879 wird zum ersten Mal der Junggesellenpräses erwähnt. Auf dem Kerzenhalter der Junggesellenkerze steht die Jahreszahl 1880. Man kann also annehmen, dass zu dieser Zeit auch die Kerzenmutter eingeführt wurde. Sie war, nach der Aussage des Altkommissärs Schintelmeister, immer die Frau eines Kommissärs. In diesem Fall müsste die erste Kerzenmutter die Frau des Lederermeisters und Kommissärs Leonhard Mandl, Theresia gewesen sein. Wer die Junggesellenkerze als solche einführte, lässt sich heute nicht mehr genau ermitteln. Ihre symbolträchtige Bedeutung könnte ihr im Laufe der Jahre auch erst zugewachsen sein. Frau Anna Gfrerer kann sich jedenfalls daran erinnern, dass in ihrer Jugend von einem Pater die Rede war, der den Kerzenleuchter gestiftet haben soll. Von der Kerzenmutter Irmgard Mandl wurde der hölzerne Leuchter erneuert und erhielt zur besseren Standfestigkeit einen aus Kupfer getriebenen Fuß, der vom liebwerten Vereinigten Fesl angefertigt wurde. Nach einem Artikel in der Salzburger Chronik gehörten dem Vereinigten um 1891 ungefähr 80 Mitglieder an.
1893 wurde der Alterspräsident Josef Lankmayr, gewesener Gellnwirt, für 60jährige Mitgliedschaft mit einer Medaille geehrt. Dies ist bisher das älteste überlieferte Datum, an dem man daran ging, alt verdiente Vereinigtenmitglieder mit einer Medaille auszuzeichnen. Am 3. November des selben Jahres herrschte die letzte große Feuersbrunst in Tamsweg. 22 Häuser und 10 Nebengebäude brannten völlig nieder. In den Jahren danach wurde die Tamsweger Feuerwehr mit großem Aufwand modernisiert - eine Hochdruckwasserleitung mit dazugehörigen Hydranten wurde errichtet - und das Brandschutzwesen verbessert. Der folgende Jahrtag 1894 wurde in großer Trauer und ganz einfach abgehalten. 1897 wurde die erste überlieferte Vereinigtenzeitung gedruckt. Ihr beißender, aber nicht verletzender Witz wurde in der Folge ein wichtiger Bestandteil der Vereinigtenfeierlichkeiten. Auf der Titelseite einer dieser Ausgaben steht der für sie bezeichnende Satz: >>Beleidigungen sind nicht beabsichtigt, ebenso ist es unerwünscht, sich beleidigt zu fühlen. Weitergeben ist verboten, es soll sich jeder selbst eine Vereinigten-Zeitung kaufen.<<
Von 1900 bis 1912 bestand keine Russentänzergruppe. Sie wurde letzteren Datums von Kommissär Aegid Binggl wieder neu initiiert. Wie lange dieser Tanz schon bei den Vereinigten aufgeführt wird, lässt sich nicht ohne weiteres eruieren. Der Überlieferung nach sollten ihn weißrussische Bergleute zu einer Zeit, da der Bergbau im Lungau noch blühte, hierher gebracht haben. Da es Anweisungen gab, diese >>Ausländer<< nicht in die diversen Zählungen aufzunehmen, verschwanden diese Knappen mit dem Bergbau sang- und klanglos; und es finden sich auch kaum Hinweise auf sie. Zeugen ihrer Existenz sind Verbote ihrer Teilnahme an den Prangprozessionen, da es vorher des öfteren mit den Ramingsteiner Bergknappen zu Raufereien kam. In den Akten des Mooshamer Archivs findet sich eine Schrift, aus der hervorgeht, dass die Knappen um 1588 um die Bewilligung der Teilnahme an den Prangprozessionen bitten, >>...da gottlob keine Gefahr besteht, und auch kein Zwiespalt gegeben ist.<< Es wird angeführt, dass sich mancher Bergmann das Geld für die schöne Kleidung vom eigenen Leib abgespart haben soll, um in züchtiger Ordnung mit Fahne und Stab an den Prozessionen teilnehmen zu können. Die Erwähnung der Stäbe und der schönen, wahrscheinlich uniformellen Kleidung, mit der man >>in züchtiger Ordnung mitprangen wollte, lässt die Illusion vom Vorläufer einer heutigen >>Russentänzeruniform<< erwachen.
Die Bedeutung, die der Vereinigte für Tamsweg inzwischen erlangt hatte, lässt sich an den teilnehmenden Ehrengästen ermessen. Auch die Tatsache, dass Witz und Geselligkeit ein wesentlicher Faktor geworden waren, kann man einem Artikel des Salzburger Tagblattes aus dem Jahr 1897 entnehmen. Die Abendunterhaltung wurde in diesem Jahr durch die Vorführung einer Bauernhochzeit eröffnet.
...Hierauf feierte Herr Wundarzt Hatheyer in gediegener, mit einem den Umständen angemessenen Humor gewürzten Rede Herrn Josef Klemm, Schlossermeister hier, der das 51. mal den Vereinigten-Jahrtag mitfeierte, dann wurde diesem ein schön gefaßtes Zehnkronenstück durch den Commissär der >>Vereinigten<< an die Brust geheftet.
Erst danach kam die Musikkapelle, und es wurden zwei Lungauer Volkstänze, der >>Bogen<< und der >>Bandeltanz<< aufgeführt. Dann eröffnete Graf Khuenburg, Amtsleiter der kk. Bezirkshauptmannschaft mit der Frau Bürgermeister und die Frau Gräfin mit dem Bürgermeister die allgemeine Tanzveranstaltung, die bis 6 Uhr früh dauerte. Um diese Zeit waren die wichtigsten Weichen für den Vereinigten gestellt. Der Vereinigte war selbst in den höchsten Schichten der Tamsweger Bürgerschaft etabliert und geschätzt. Er war ein Stück Tamsweg geworden.

Von St. Leonhard zum Vereinigten

Aus Anlass der 250- Jahrfeier der von drei Mitgliedern der Leonhardsbruderschaft 1737 gegründeten Vereinigten- Bruderschaft mit Jahrtag bei der Kirche St. Jakobus des Älteren zu Tamsweg im Lungau des Landes Salzburg in Österreich entbieten Wir, Valentin I., Bischof der Vereinigten zu Tamsweg Gruß und Segen.

Hervorgegangen ist sie aus der im Jahre 1460 von Seiner Heiligkeit Papst Pius II. (1458 - 1464), vormals Silvius Aeneas Picolommini, Humanist und Reichskanzler, bestätigten und mit Ablässen beschenkten Gottes Fronleichnams- Bruderschaft an der altehrwürdigen Kirche zu St. Leonhard der Pfarre Tamsweg in der Erzdiözese Salzburg, der einstens Seine Sacrale Majestät, der Römische Kaiser Friedrich III. (1452 - 1493) A.E.I.O.U, als vornehmster und hervorragendster Mitbruder angehört hat, nach seinem Tod vertreten durch die Grafen von Küenburg als Praefekten der Gottes Fronleichnams- Bruderschaft. Diese Bruderschaft ward zu damaliger Zeit von den großen Zünften glanzvoll getragen.
Wie muss es den 3 Gründern einstens zu Mute gewesen sein, als Sie als Mitglieder der St. Leonhardsbruderschaft, von der weltlichen und geistlichen Obrigkeit Franz Baron Schaffmann, Pfleger von Moosham und Sebastian Schallhammer, Archidiakonalkommissär im Lungau, um in der 1737 - 1741 neu erbauten Pfarrkirche von Tamsweg, die das barocke Spiegelbild der gotischen St. Leonhardskirche darstellt, erbaten, einen eigenen Jahrtag, jeweils am Dienstag in der Fronleichnamsoktav feierlich abhalten zu dürfen? Dieser Jahrtag sollte von den kleineren Zünften als da waren die Nagelschmied, die Kupferschmied, die Huterer, die Glaserer, die Uhrmacher, die Färber, die Kranzlmacher, die Wirte, die keine Brauer waren, die Weißgerber, die Riemer und die Binder gestaltet werden.
Am Montag in der Fronleichnamsoktav hielt nämlich die St. Leonhards-Bruderschaft ihren Jahrtag ab. Dieser war getragen von den großen Zünften: von den Schustern und Schneidern, Müllern und Bäckern, den Lederern und Bräuern, Wagnern und Schmieden etc. In aller Frühe begann man in St. Leonhard die Zunftmessen zu lesen, so wie sie schon ihre Jahrmessen der Handwerkstage hatten: Am 1. Sonntag nach Ostern die Müller und Bäcker, am 2. Sonntag nach Ostern die Schmiede, am 3. Sonntag nach Ostern die Weber, am 4. Sonntag nach Ostern die Schuhmacher, am Dreifaltigkeitssonntag die Zimmerer und Maurer, am 2. Sonntag nach Pfingsten die Schmiede und Wagner, am 3. Sonntag nach Pfingsten die Tischler und Schlosser. Außer diesen gab es noch den Ledererjahrtag und den Bräujahrtag.
In den Jahren 1580 - 1630 bewegter Zeit scheint auch die Kirche St. Leonhard und damit auch die Bruderschaft vernachlässigt worden zu sein. Den Max von Deggendorf, der erste Superior der Kapuziner in Tamsweg erzählt, dass er in St. Leonhard unter einem Gerümpelwerk hinter einem Altar eine Tafel fand, welche er nach sorgfältiger Reinigung als Altarbild der St. Leonhardsbruderschaft erkannte. Sie trug nämlich die Aufschrift >>Gottes Leichnambs und St. Leonhards-Bruderschaft<<. Nach einigem Nachforschen fand man auch das alte Bruderschaftsbuch von 1460 und das Verzeichnis der Mitglieder und sah aus diesem die ehemalige große Verbreitung derselben. Man beschloss nun, die Bruderschaft mit oberhirtlicher Bewilligung wieder aufzurichten und vollzog diesen Beschluss am so genannten Lanz- und Nagelfeste 1635, das ist am zweiten Freitag nach Ostern. Graf Erasmus von Kuenburg wurde als erster Praefekt gewählt und ein zweites Bruderschaftsbuch wurde angefangen. Das alte Bruderschaftsbuch von 1460 ist Ende der Sechzigerjahre abhanden gekommen und 1986 im Landesarchiv Salzburg anlässlich einer Ausstellung wieder aufgezeigt worden.
Von dieser St. Leonhards- Bruderschaft wurde in der Folge unter Leitung der Kapuziner alljährlich am Montag in der Fronleichnamsoktav eine großartige Prozession, verbunden mit dramatischen Vorstellungen, abgehalten. Gegenstand dieser Vorstellung waren Begebenheiten aus dem Alten Bunde und Ereignisse aus dem Leben einzelner Heiliger. Dazu wurden auf massiven Rädern und Achsen Gerüste und kleine Bühnen errichtet, welche von Rossen und Ochsen gezogen in den Zug mit einer gewissen Ordnung eingereiht wurden. Auf den Gerüsten, die mit verschiedenen Bildern und sinnbildlichen Darstellungen geschmückt waren, befanden sich Personen, ihrer Rolle entsprechend gekleidet, die während des Umzuges verschiedene Texte zum Vortrag brachten.Zwischen den Vertretern der verschiedensten Zünfte wurden überdies von Mädchen Statuen von verschiedenen Heiligen getragen. Den schönsten Wagen und die schönste Ochsen hatte namhaft der jeweilige Graf von Kuenburg. Auf seinem Wagen waren einmal nach der Überlieferung zwei kapitale jeweils ein Bub saß, hinaufgebunden und darüber ein großer Adler mit ausgespreizten Schwingen, auf dem auch bei der Prozession ein kleiner Bub hinaufgesetzt wurde, der hinaufgebunden war, damit er nicht herunterstürzte, anzudeuten den Psalm: >>Wie der Hirsch nach frischer Quelle . . . und der Vogel Phönix . . . <<. Diese Prang wird in einem eigenen Aufsatz beschrieben.
Der Zug ging von der Pfarrkirche Tamsweg aus, wurde von einer Schar Berittener eröffnet und zog nach St. Leonhard. Die Gerüste und Statuen aber ließ man am Fuße des Berges zurück. In St. Leonhard war feierlicher Gottesdienst mit mehreren heiligen Messen, darauf kehrte der Zug in den Markt zurück wo die Gerüste und Statuen wieder eingereiht wurden. An vier verschiedenen Plätzen wurde in feierlicher Weise eines der vier Evangelien gesungen, zum Schlusse aber wurden die Gerüste am ganzen Marktplatz zusammengestellt und durch aufgelegte Bretter zu einer großen Bühne verbunden. Hier wurden dann die eigentlichen dramatischen Vorstellungen gegeben. So gestaltete sich dieser Tag zu einem religiösen Volksfest, welches überdies mit einem Markte verbunden war; und darum eine große Volksmenge in Tamsweg versammelte. >>Nachmittags waren<<, so berichtet uns Andrä Kocher, Reiterbauer in Lasaberg, >>alle Wirtshäuser voll mit Leuten und die Wirte hatten an diesem Tage ein großes Einkommen.<<
Mitte unter diesem Flor blühender religiöser Volkskultur, die von der St. Leonhardsbruderschaft erneut ausgegangen war, fällt die Gründung der Vereinigten- Bruderschaft. Es war das Jahr 1737. Drei Mitglieder der St. Leonhardsbruderschaft sahen die Zeit gekommen dieser blühenden Leonhardsbruderschaft, wo die großen Zünfte das tragende Element darstellten, eine kleinere Bruderschaft beizustellen. Der Jahrtag sollte am Dienstag in der Fronleichnamsoktav in der (1737 - 1741) neu erbauten Pfarrkirche zum heiligen Jakobus dem Älteren abgehalten werden. Die Pfarrkirche stellt das barocke Spiegelbild zur spätgotischen St. Leonhardskirche dar. (Die 4 Kapellen mit den Seitenaltären, der Lichteinfall hoch von oben, die Choraufgänge zu beiden Seiten, die Kirchtüren vis a vis. Nur ist der Baumeister durch den ex fundamento neurenovierten Turm und durch Bauplatzmangel gehindert worden, und so musste er die Emporenbrüstung über die Kirchtüren darüber ziehen). Dies wurde die Kirche der Vereinigten Bruderschaft, wo die kleinen Zünfte ihren Zusammenhalt und Jahrtag erhielten. So liefen beide Bruderschaften nebeneinander Hand in Hand bis in die Jahre gegen (1761 - 1769 in Tamsweg). Ihm wollte die >>Ochsenprang<< der St. Leonhardsbruderschaft nicht gefallen, und die Wagen und Ochsen mussten aus der Prozession herausgenommen werden. Der Volksunwille war groß, und es war die kulturhistorische Tat der erst 30 Jahre alten Vereinigtenbruderschaft, Wagen und Ochsen, also die alte >>Ochsenprank<< der St. Leonhardsbruderschaft inst weltliche Spiegelbild gerückt und sie als ihren Festzug beibehalten zu haben bis auf den heutigen Tag. Im Jahre 1769 kam Archidiakonalkommissär Vital Senninger von Tamsweg fort, begraben in Köstendorf im Flachgau. Zudem drängten die ganzen Umgruppierungen, die nun zwischen der Leonhards- und Vereinigten Bruderschaft ins Rollen gekommen waren dahin, den Jahrtag der Vereinigtenbruderschaft in den Winter zu verlegen. Wann das genau geschehen ist, lässt sich nicht feststellen, da die noch vorhandenen Verkündbücher der Pfarre nich vor 1790 zurückreichen. Jedenfalls findet sich im Jahre 1790 der Eintrag:
18. Jan. (Bericht): Um 10 Uhr lassen die Vereinigten Handwerker ad intentionen (auf Meinung) ein heiliges Amt halten mit Beimeß in der Pfarrkirche.
Die Leonhards-Bruderschaft bleibt aber im Sommer. So lautet ein Eintrag im Wochenbuch, von 1794:
3. Juni, Montag:Ist das Hauptfest unserer löblichen Corpus Christi Brüderschaft, deshalben die Prozession oder Fronleichnams- Umgang nach St. Leonhard. Um 6 Uhr ist in der Pfarrkirche die heilige Segenmesse ad. int. einer gewissen Person in honorem SS. Altaris Sacramenti und hiernach geht man mit der solemnen Prozession nach St. Leonhard unter Absingen der 4 Hl. Evangelien. Zu St. Leonhard Hl. Messen für nachstehende Handwerkszünfte:
1. Für die Schuechknecht auf dem Hochaltar
2. Für die Müller und Bäcker auf dem Frauenaltar.
3. Für die Schuechmachermeister am Laurenzialtar.
4. Für die Weber am Hochaltar.
5. Für die Schneider am Floriani Altar.
6. Für die Schmied und Wagner am Anna -Altar.
7. Am Brüderschaftsaltar Brüderschaftsmeß.

Hiernach ist das Hochamt auf´n Hochaltar ad. int.; nach diesem die Prozession wieder zurück in die Pfarrkirche gehet. Das erste Evangelium beim Hinaufgehen beim Hafnerkreuz; das zweite beim Ursprung; das dritte bei der Klosterkirch; das vierte am Platz.

Die Leonhardsbruderschaft hat um diese Zeit für Tamsweg keine besondere Bedeutung mehr. Das sieht man daran, dass sich in der Zeit von 1786 bis 1816 nur ein einziger Tamsweger, nämlich Jakob Kleidorfer (1797), in die Leonhards Bruderschaft hat eintragen lassen.
Erst 1832 wurde durch Verfügung laut Regierungsdekret und Konsistorialentschließung die Leonhard- Fronleichnamsprozession vom Montag >>die lunae<< auf den Sonntag in der Fronleichnams-Oktav verlegt, wo sie bis zum heutigen Tage noch feierlich begangen wird, Immer wieder war aber in den früheren Zeiten die Rede:
So vom hochstelligsten Gedächtnis Römischen Papstes Pio dem anderen anno 1460 einer schon damals aufgerichteten Brüderschaft, welcher dann hochlöblichster Gedächtnis Kaiser Friedericus samt anderen mehreren hochwohlgeborenen Grafen, Freiherrn, Rittern, Adelspersonen, geistlichen und weltlichen, einverleibter Mitbrüder benannt werden.
Dieses Gedächtnis ist bei der Brüderschafts- Sonntags- Prozession zu Fronleichnam völlig verloren gegangen, lebt aber heute noch lebendig im Vereinigten, in seinen Kommissären und Vereinigten- Bischöfen fort bis zum heutigen Tag. So heißt es im Jahre 1968 im 230. Jahr der Vereinigten Zeitrechnung:
Der jeweils gewählte Kommissär und Weihbischof der Vereinigten verkörpern die seinerzeitige weltliche und geistliche Obrigkeit und repräsentieren heute noch die Regierungsgewalt im Vereinigten.
Das lebendige genitive Spiegelbild christlich abendländischer Reichsregierung hat sich in Miniatur im Vereinigten erhalten. Ein drastisches Beispiel liefert Geschichte der Päpste von Ludwig von Pastor Band II (1458-1464):
Für die Christenheit und ihre beiden obersten Gewalten so bedrohliche Versammlung vom 22.5.1461 in Nürnberg...
Die Kunde von den Vorgängen in Nürnberg hatte am Kaiserlichen Hof die größte Bestürzung hervorgerufen. Friedrich III. wandte sich hilfesuchend an Pius II.: >>Erwäget Heiliger Vater<<, so schrieb er am 7. April, >>wie keck die Fraktionen im Reiche ihr Haupt erheben, wie sie ihrer geistlichen und weltlichen Obrigkeit in verrückter Verwegenheit Gesetze vorzuschreiben sich unterfangen; es tut not, dass auch wir uns vereinigen und gemeinsam ihren verbrecherischen Plänen entgegentreten. Verleiht uns Euren Rat und Euere Hilfe die wir gerne annehmen wollen. An Diether möget Ihr sehen, wohin es führt, wenn ohne weltliches Vorwissen die kirchliche Bestätigung erteilt wird; sorget doch dafür, dass er wenigstens die erzbischöfliche Weihe auch ferner nicht erhalte.<<
Am 1. März 1461 erließen die Churfürsten von Mainz, Pfalz und Brandenburg ein drohendes Schreiben an den Kaiser. Sie schilderten in demselben die erbärmliche Lage des Reiches, beklagten sich über die Fahrlässigkeit Friedrichs, seit 15 Jahren sei er hier oben in des Reichs Landen nicht erschienen und luden ihn zu einem Tage nach Frankfurt ein auf Sonntag nach Pfingsten (31.5). Für den Fall, dass der Kaiser denselben nicht persönlich besuchen werde, erklärten sie, trotzdem beschließen und handeln zu wollen, was dem Reiche nottut. An demselben Tage verbündeten sich die genannten Churfürsten mit Treu´ und Eidesstatt, sich weder durch den Papst, noch durch den Kaiser von ihrem Vorhaben abwendig machen zu lassen.

Aus diesem ist zu ersehen welches Spiegelbild christlich abendländischer Reichsregierung vorliegt und sich in der Vereinigten Bruderschaft in dieser einst weltabgeschiedenen Gegend erhalten hat und bis zum heutigen Tag im Vereinigten besteht und funktioniert und wenn auch diese Bruderschaft der Vereinigten bis zur >>Gambrinusaffen- Bruderschaft<< (Der Hl. Gambrinus gilt als Patron der Zecher) herabgewürdigt worden ist, so ist doch nie gehört worden, dass das Bruderschafts- Volk sich gegen die Bruderschafts- Regierung ihre übernommenen Pflichten nicht erfüllt oder die beiden Regimenter gegeneinander rebelliert hätten, vielmehr sind sie immer eine Einheit geblieben.
Es zeigt sich demnach das merkwürdige Phänomen, dass diese ursprünglich aus der Tradition der Fronleichnams- und St. Leonhardsbruderschaft - welcher der Römische Kaiser Friedrich III., A.E.I.O.U., als erster und vornehmster Mitbruder angehörte - herausgewachsene Vereinigten-Handwerks-Bruderschaft in Tamsweg im innersten Kern mittelalterliche christlich-abendländische Reichsregierung widerspiegelt, wie einstens das Sacrum Imperium et Sacerdotium als päpstliche-kaiserliche Concordatskultur den Völkern Europas wie ein Schimmer nie erreichter Wirklichkeit vor Augen schwebte.