Mayr Hans

1987-1989

Kommissär Hans Mayr 1987 – 1989
geboren am 7. Oktober 1935 in St. Michael/Lg

verheiratet seit 5. September 1966 mit Helene, geb. Tschina

Beruf: Malermeister
Kinder: Ute

1987

Andingen: Schon im Herbst, wenn ich in den Gasthäusern mit Vereinigten zusammenkam, war die Rede „Dich wird es beim Andingen erwischen“. Nun dachte ich, das ist halt so: die lustigen Scherze, die man halt so vorbringt und die mit lustigem Gelächter enden.
So kam auch der Neujahrstag: Alois Weichselbaumer und ich gingen zuerst zum Kollerwirt, um Otto Schintelmeister abzuholen. Dieser hatte aber noch eine Arbeit fertigzustellen und versprach uns, in die Herberge nachzukommen. Wir trafen so gegen 8 Uhr in der Herberge ein.
Der Saal war schon voll besetzt, sodaß wir im Vorhaus, wo Tische aufgestellt wurden, Platz nehmen konnten. Die Saaltüren waren weit geöffnet. Die Vereinigten, die uns begrüßten, lachten und sprachen: „Jetzt sind die zwei richtigen Kandidaten eingetroffen“.
Wir lachten und hatten unsere Gaudi!
Der Ablauf einer Kommissärswahl war mir als Vereinigter wohl bekannt und so hörte ich auch, dass der amtierende Kommissär A. Santner den Vorsitz an den Altkommissär Richard Tarmann übergeben hatte.

Altkommissär R. Tarmann bat um Vorschläge:
So wurde wieder unser „Kracher Hias“ angesprochen. Dieser aber sprach sehr ernstreich und bat darum, ihn in Zukunft nicht mehr vorzuschlagen.
So kam man auf unseren Bezirkshauptmann Dr. Kissela. Dieser brachte in seiner Rede die hohe Ehre dieses Amt zu bekleiden, zum Ausdruck. Jedoch könnte er mangels Räumlichkeiten in der Bezirkshauptmannschaft die Vereinigten schlecht versorgen, da er sonst für seine Bedienstete keinen Platz hätte. „Gelästere folgte“.

Wieder wurde ein neuer Name genannt, dies waren aber nur fadenscheinige Ausreden und Scherze.

Nun aber bekam Alois Hutegger Tischlermeister in Tamsweg das Wort begrüßte die Kommissäre, Vereinigte und Junggesellen und sagte: „Was wäre mit unserem Maler Hans?“

Da ich bei der Saaltüre stand, ging ich nach vorne und Applaus setzte ein. Man reichte mir das Mikrophon.

Auch ich bemühte mich um Ausreden und meinte, einen Würdigeren vorschlagen zu können. Dies wäre eben „Alois Weichselbaumer“.
In seiner Rede kam er wieder auf mich zurück und meinte übereinstimmend mit Alois Hutegger:
„Unser Maler wäre der richtigste Jubiläumskommissär“.
Beifall setzte ein, der nicht mehr enden wollte, und ich wurde von den Junggesellen in die Höhe gehoben und zum Kommissärstisch getragen. Es gab kein Entrinnen mehr.

Damit bin ich Jubiläumskommissär der Vereinigten zu Tamsweg geworden. Was ich dann erlebte in einer ungewohnten Turbulenz: Die Bürgermusik spielte meinen Lieblingsmarsch: „Furchtlos und Treu“.

Vorerst das Anstecken des goldenen Hufeisens durch den amtierenden Kommissär August Santner Gratulationen, Musik und ca. 450 Männer die mir die Hand schüttelten.

Ein Erlebnis, das man eigentlich nicht so richtig beschreiben kann. Die Junggesellen machten sich auf um meine Frau zu holen. Meine Gedanken waren wie sie es aufnehmen wurde, da sie ja keine Ahnung hatte.
Nach ca. einer Stunde war es soweit. Meine geliebte Frau wurde vom Kommissärshaus bis zur Herberge von Junggesellen getragen. Sie wurde unter großem Beifall empfangen und nahm neben mir Platz.

Zum Schluss begleiteten uns noch etwa 100 Leute nach Hause, wo noch weiter gefeiert wurde. A. Kommissär A. Santner bat gegen 5 Uhr früh unsere Ehrengäste zum Aufbruch.

Tamsweg bereitet sich zum Jubiläumsfeste vor

Der amtierende Kommissär August Santner bildete mit den Altkommissären ein Festkomitee das schon im Vorsommer fleißig zu arbeiten begann und erst beim Festzug enden wird. Die Aufgaben waren groß: So wurde ein Buch aufgelegt über die 250 jährige Geschichte der Vereinigten zu Tamsweg. Inhalt: Berichte, Dokumente, Bilder. Als Mitarbeiter und Verantwortlicher zeichnete Levit Prof. Kurz Melchart.
Für den Festzug mussten Pferdegespanne und Kutschen besorgt werden. An den Zufahrtsstraßen zum Markt wurden große Transparente aufgestellt mit der Aufschrift „Ein viertel Jahrtausend Vereinigter zu Tamsweg“
Musikkapellen aus den Nachbargemeinden wurden eingeladen, die ganze Finanzierung, die Besuche bei den verschiedenen Vereinigten Gruppen und ungezählte andere Leistungen.
Mit dem ORF Landesstudio Salzburg wurden im Herbergssaal unter Leitung von Arnold Pichler folgende Sendungen durchgeführt: am 11.01.1987 ein Frühschoppen und am 25.01.1987 eine Autofahrersendung mit der bekannten ORF Sprecherin Rosemarie Jsopp.

Beide Sendungen waren ein großer Erfolg für Tamsweg und unsere Bruderschaft wurde vielen Menschen im In und Ausland näher gebracht.

So darf ich in meinem Namen dem amtierenden Kommissär August Santner wie auch den Altkommissären meinen Dank für die geleistete Arbeit zum Ausdruck bringen.
Ganz Tamsweg war auf den Beinen, überall wurde still und verschwiegen an den Festfahrzeugen gebaut.

Meine Aufgaben hatte ich geändert. So waren Einladungen an die auswärtigen liebwerten Vereinigten zu schreiben und Ehrengäste einzuladen, wie zum Beispiel Landeshauptmann Dr. Haslauer der selbst Vereinigter ist, die Bürgermeister der Nachbargemeinden usw.
Sämtliche Bälle, Veranstaltungen und Einladungen mussten besucht werden.
Meine Frau hatte alle Hände voll zu tun mit der bevorstehenden Bewirtung der liebwerten Vereinigten und Ehrengäste.
Einkäufe mussten getätigt werden wie Bier, Wein, Schnaps, Fleisch und Wurst waren Teller, Bestecke Gläser und unzählige Kleinigkeiten.

Unsere Nachbarsfrauen standen meiner Frau mit großen persönlichen Einsatz zur Seite „Dafür vielen Dank“.
Unsere Werkstätten wurden auf Hochglanz hergerichtet und geschmückt. Tische und Bänke wurden aufgestellt.

Zum Schmücken der Wände malten die Maler und ich die Handwerkswappen aller Zünfte, ebenso die drei „Gründerwappen“.
Johann Georg Kopfmüller, Riemer-Jakob Ferner, Binder- Johann Josef Löcker, Weißgerber.
Nun waren wir nach den ganzen Vorbereitungen für das hohe Fest gerüstet.

Montag, 26. Jänner 1987 „Festzug der Vereinigten“
Schon zeitlich in der Früh ging es im Hause mit den Vorbereitungen los. Getränke und Platten mit Brötchen wurden auf schön gedeckten Tischen für die bald eintreffenden Kommissäre Jubilare und Ehrengäste vorbereitet.
Gegen 10 Uhr zieht die Wache auf. Schilderhäuschen werden aufgestellt und zwei Hochhabende abkommandiert.
Die Russentänzer kommen an marschiert. Alle haben sich wegen der 250 jährigen Feier Naturbärte wachsen lassen und sehen in ihren Uniformen toll aus.
Glühwein wird eingeschenkt und Würstel verabreicht.

Ich empfange sie alle „in besten Gewande und Zylinderhut“.

Nun werde ich von den Russentänzern zum Fotografen geleitet, wo Fotos für die Chronik angefertigt werden.

Wache – Russentänzer – Volkstanzgruppe – Junggesellentanzgruppe.

Wieder heimgekommen sind bereits die Ehrengäste Kommissäre und Jubilare eingetroffen und werden von mir begrüßt und willkommen geheißen und zu einem Imbiss eingeladen.
Inzwischen trifft auch die Bürgermusik ein und nimmt Aufstellung.
Gleichzeitig kommt auch unser Landeshauptmann Dr. Haslauer und wird von der Wache mit einem Ehrensalut begrüßt. In seiner Begleitung befinden sich Altlandeshauptmann DDr. Hans Lackner und Landtags Präsident Hans Schmidinger. Diese werden aufs herzlichste begrüßt und ins Haus auf einen Imbiss und Getränk eingeladen.
Salutschüsse ertönen wieder und unser Bezirkshauptmann Dr. Kissela sowie unser hochwürdiger Herr Dechant treffen ein. Ich heiße sie ebenfalls herzlich willkommen.

Die Bürgermusik erntet viel Applaus für ihr begeisterndes Spiel. Um 12 Uhr werden alle Ehrengäste von Ordnern auf die Tribüne geleitet, um dort Platz u nehmen. Der scheidende, also der jüngste Altkommissär ist für den nun folgenden Festzug verantwortlich. Er begrüßt mich, meine Frau und Tochter Ute sowie auch die Kommissäre, Jubilare-Ehrengäste und bittet mich, mit dem Festzug beginnen zu dürfen.
Wie viel ehrende Aufwartung mir und meiner Familie nun zuteil wurde, kann man mit Worten nicht beschreiben. Ich kann nur wiederholen was ein Ehrengast sagte: „So etwas gibt es doch nicht! Ich habe dergleichen noch nie gesehen!“

Die Voreiter leiten den Festzug ein. Der erste Festwagen stellt die drei Gründer dar mit der Sankt Leonhards Monstranz angeführt von unserem Bischof Valentin I.

Nun die Beschreibung einiger Festwagen: Das Glasscherbenviertel, dem ich vor meiner Wahl zum Kommissär angehörte, mit der Vereinigten Schmiede, die Akademie der Künste, John Mc Mayr Cestle, die Malschule Rembrandt, die gelben Engel-Schützenwagen usw. alle waren wunderschön.

Weitere 33 Festwagen folgten und jeder hält vor der Tribüne um ihre Aufwartung zu machen und Urkunden und Geschenke zu überreichen.(darunter war auch ein lebendiges Schweinchen „Esmeralda“ von der Coop-Gruppe).
Auch möchte ich auch die Bürgersfrauen-Gruppe erwähnen verkleidet als wunderschöne Ungarinnen die mir eine Gans mitbrachten „Klementine“.
Alle Motive und deren Ausstrahlung und Faszination zu beschreiben ist mir leider unmöglich.
All diese erbrachten Ehrungen, Fleiß, Arbeit, Mühe und Liebe kann ich nur ein bescheidenes „Dankeschön“ aussprechen, dies alles wäre auch nicht mit Geld aufzuwiegen. Aber der Dank und die Erinnerung bleiben ewig in meinen Herzen.
Nun fahren 8 Pferdegespann, die den Abschied des Festzuges bilden vor: Zweigespanne mit Haflinger und Vierergespann mit Norikern, wo die Jubilare Altkommissäre, Landeshauptmann und Altlandeshauptmann Platz nahmen, auch die Lade flankiert von der Wache.
Zu meiner größten Überraschung wird die Kommissärskutsche von 5 Hengsten des Bundesgestütes „Stadl-Paura“ gezogen.
Auf den Kutschbock dieses prachtvollen Gespannes saß Obergestütsmeister Joh. Steminger, der die Hengste großartig führte. In der Kutsche nehmen Platz: A.K. Tarmann der älteste Kommissär, der scheidende Kommissär August Santner, der Vereinigtenlader Franz Resch und ich.
Vom Kommissärshaus führt unsere Fahrt über die Friedhofstr. Marktplatz, Glaserei Scheyerer, obere Postgasse, Murgasse, und wieder Marktplatz, wo wir die Pferdegespanne verlassen.
Ca. 15.000 bis 20.000 Zuschauer säumen die Straßen und jubeln uns zu.
Am Marktplatz waren bereits alle Festwagen zur Abnahme aufgeteilt. Der Frauenwagen wird unter Begleitung der Russentänzer, des AK Santner und mir als erster abgenommen.
Was sich am Marktplatz abspielte, kann ich in Worten nicht ausdrücken. Die Musik, festliche Kostüme, ein großes Familienfest voll Fröhlichkeit. So werden alle Wagen abgenommen und wir fahren mit einem Festwagen ins Kommissärshaus zurück.
Daheim angekommen werden bereits alle am Festzug beteiligten Vereinigten mit Essen und Trinken von meiner Gattin und ihren Küchenstab ausreichend versorgt. (ca. 700-800 Leute).
Zu essen gab es Geselchtes mit Kraut, Glühwein und Bier. In der Werkstatt herrscht ein buntes Bild mit all den schönen Kostümen und Masken.
Als ich eintrete herrscht sofort Stille. Alles stehen auf. Erst als ich Platz genommen habe, setzen sich die Vereinigten.
Alle Werkstatträume sind voll besetzt. Es gibt kein Klagen, es herrscht brüderliche Fröhlichkeit.
Die Vesper: verläuft nach altem Ritus

in der Herberge: Bärentanz – Hirtenbriefverlesung, Hufeisenabreißen beim alten Kommissär, Hufeisenaufnageln beim neuen Kommissär, Prebermarsch, wieder Bärentanz

Die Stimmung ist ausgezeichnet, ich bin etwas nervös, doch Altkommissär Santner berät mich ausgezeichnet. Meine Frau sitzt neben mir und freut sich ebenfalls über das bunte Bild, das den Besuchern im Saal geboten wird.
Ein Tag geht zu Ende, welchen ich Zeit meines Lebens nicht vergessen werde.
Ich darf meinen Dank in meinen und meiner Frau und Tochter aussprechen: Altkommissär Georg Hochleitner für seine große Mühewaltung beim Festzug und den Kommissärskollegen für die gesamte Gestaltung der 250jahr Feier, aber auch den Gruppenführern für die viele Arbeit und den mitzuwirkenden Vereinigten. Die Russentänzer, Altkommissäre, Vereinigte begleiten uns nach Hause und ich lade sie zu einen kleinen Umtrunk ein.

Dienstag, 27. Jan. 1987 Hoher Festtag der Vereinigten
Bischof Valentin I. Pfarrer in Thomatal, holt mich um 9 Uhr vom Kommissärshaus ab, und macht seinen Segensspruch, bevor wir das Haus verlassen.
Viele Vereinigte haben sich schon vor der Herberge versammelt, als wir dort eintreffen.
Da es am Vormittag geschneit hat, herrscht herrliches Winterwetter. Die Bürgermusik voran, marschieren wir zur Kirche.
Messe und Predigt hält unser Bischof Valentin I.
In seinen Worten widmet er sich ausschließlich den drei Gründern der Vereinigten: Joh. Josef Löcker Weißgerber, Jakob Ferner, Bindermeister, Joh. Georg Kopfmüller, Riemermeister und deren Leben und Wirken in Tamsweg bis zur Leonhardsbruderschaft.
Das heilige Amt für die lebenden und verstorbenen Vereinigten wird 3spännig abgehalten.
Nach der Messe marschieren wir, voran wieder die Bürgermusik zur Herberge zurück.
Die Auflage wird bezahlt: pro Mitglied werden S120,– eingehoben.
Um 12 Uhr beginnt das Bruderschaftsmahl. Mein Thema für die Kommissärsrede lautet: Die drei Gründer und welche wichtigen Aufgaben die Bruderschaft in der heutigen Zeit hat.
Ich zitiere ein paar Sätze: „Lassen wir unseren Vereinigten als Vorbild zur Renaissance (Wiedergeburt) werden, erleben wir dies Für und Miteinander nach unseren alten Statuten. Glauben wir wieder, dass Vereinigte sein stark macht,“ aber nicht nur am hohen Feste, sondern das ganze Jahr hindurch, helfen wir den Schwächeren und denen, die Hilfe brauchen.“
Ich durfte auch einen Jubilar auszeichnen und gratulieren. 50 Jahre Vereinigter: Gustav Eichmayer.
Eine große Überraschung: der heilige Vater Papst Johannes Paul II. gratuliert uns zum 250igsten Jahrtag und erteil den Apostolischen Segen.
Dieses Schreiben wurde am 06. Jänner 1987 im Vatikan unterzeichnet, der Überbringer war Dr. Karl Zeheutner aus Wien.
Beim anschließenden Hausieren nach altem Brauch im Sinne des Uhrzeigers, besuchen wir alle Gasthäuser und auch das Kommissärshaus.
Es wäre zu bemerken, dass beim Hausieren jeder die Zeche selbst bezahlen muss.
Pünktlich um 8 Uhr beginnt der Vereinigten-Ball.

Der Vereinigten Ball 1987
Nach meiner Begrüßung, eröffnet der Junggesellenpräses Roman Gappmayer mit meiner Frau den Ball.
Für die musikalische Umrahmung sorgen die „Sundrops“ und erstmalig nach langen Jahren der Pause tanzen die Junggesellen wieder den „Bandltanz“.
Die Russentänzer sind wegen des Todesfalles Nik Grancen nicht aufgetreten.
Die zwei Frauengruppen machen ihre Aufwartung als Zigeunerinnen mit Pferden und Wagen.
Sie lesen aus der Hand und trugen Verse vor – alles in ganz humorvoller Weise.
Die Bürgersfrauen führten einen wunderschönen Tanz aus der Operette „Die Csardasfürstin“ auf.
Vielen Dank allen Gruppen. Es war für mich und meine Frau und Tochter ein wunderschönes Erlebnis.
Wir verließen den Ball um 2 Uhr früh, aber es wurde noch bis in die frühen Morgenstunden getanzt.

Mittwoch 28. Jänner 1987 Maschgaratag
Um 13 Uhr treffen sich die Vereinigten im Gasthof Koller.
Alle haben sich maskiert und so geht es los, angeführt von der Bürgermusik zur Bezirkshauptmannschaft und danach nach alter Gepflogenheit in verkehrten Sinne des Uhrzeigers.
Besucht werden alle Kommissärshäuser und Gaststätten.
Altkommissär Richard Tarmann macht trotz seines hohen Alters die ganze Route bis zur Herberge mit. Wir trafen so gegen 11 Uhr abends ein.
Es war wieder ein gelungener Maschgaratag Altkommissär Santner und A.K. Ehrenreich begleiten mich nach Hause.

1988

Mit heutigem Tage beginnt das zweite Jahr seit meiner Wahl zum Vereinigten Kommissär. Der Saal in der Herberge ist bis zum letzten Stuhl besetzt, auf der Tribüne hat sich die Bürgermusik aufgestellt.
Nach meinem Einzug mit den Altkommissären und der hohen Geistlichkeit wurde unter den Klängen der Bürgermusik am Kommissärstisch Platz genommen.
Nach dem Läuten der Glocke wünsche ich allen Vereinigten und der Bürgermusik ein gutes Neues Jahr 1988.
Es folgt nun eine Gedenkminute für die 1987 „Verstorbenen Vereinigten Mitglieder“.
Nun gilt es aber noch ein großes Programm zu absolvieren. Ein neuer Junggesellenpräses soll gewählt werden, ebenso wie ein neuer Bischof und auch die Hofübergabe wird in der Herberge vollzogen.
Die Junggesellen sind vollzählig erschienen. Ich, Vater Kommissär, bitte um Vorschläge. Nach verschiedenen und lustigen Aufrufen und Reden wird schließlich unter großem Applaus Herwig Hutegger zum Junggesellenpräses gewählt. Zum Kommissärstisch getragen. Zu bemerken wäre, dass sein Vater, Alois Hutegger, Tischlermeister in Tamsweg vor 25 Jahren ebenfalls zum Junggesellenpräses bestellt wurde.
Der neue Junggesellenpräses dankt in seiner Amtssprache dem Kommissär und den Altkommissären, den Junggesellen und Vereinigten und gelobte sein Amt pflichtbewusst im Sinne der Bruderschaft auszuführen.
Der scheidende Junggesellenpräses Roman Gappmayr dankte dem Kommissär für die gute Zusammenarbeit während seiner Präseszeit.
Bischof Valentin I. bittet um das Wort und gibt seinen Rücktritt bekannt. In seiner Rede bringt er zum Ausdruck dass er nun 13 Jahre Bischof sei und aus gesundheitlichen Gründen dieses hohe Amt nicht mehr ausüben könne. Ich, Vater Kommissär danke ihm für seine geleistete Arbeit, die er mit größter Liebe und Sorgfalt für die Vereinigten durchgeführt hat. Ich bitte gleichzeitig die Vereinigten um Vorschläge für die Neuwahl.

Levit Gustl Schedlbauer wird vorgeschlagen, dieser aber meint, wie auch A.K. Santner, dass der richtige Mann unser „Roderich Santner“ Rechtsanwalt in Tamsweg wäre. Bei nicht mehr abbrechenden Applaus wird er von den Junggesellen zum Kommissärstisch getragen.
In seiner Ansprache dankt er den Vereinigten für das Vertrauen und werde gemäß den Statuten sein hohes Amt nach besten Wissen und Gewissen ausführen. Nach vielen Glückwünschen danke ich ihm und überreiche ihm die Bischofsnadel mit dem Hufeisen. Valentin I. Pfarrer in Thomatal wird für seine besonderen Verdienste von den Kommissären und Vereinigten zum Ehrenbischof ernannt.

Hans Rauscher, Bürgermeister von Tamsweg, wird von mir gebeten am Kommissärstisch Platz zu nehmen. Er dankt für die hohe Ehre und bringt zum Ausdruck, den Vereinigten stets hilfreich zur Seite zu stehen.
Vereinigten Syndikus, Notar Hans Mrak stellt den neuen Herbergsvater vor Dies´ ist Hermann Maier und seine Gattin Gusti. Nun zur Hofübergabe in der Herberge:
Ich danke den scheidenden Herbergsvater Karl Maier und seiner Gattin für die stets liebevolle Aufnahme der Vereinigten und für ihre 13 jährige Tätigkeit.

Hermann Maier und seine liebe Gattin Gusti werden unsere neuen Herbergsleute sein. Die Vereinigten spenden kräftigen Applaus.
Das Festessen (Geselchtes mit Kraut oder Schweinsbraten) wurde mit S 100,– festgelegt.
Als Zweitkassier wird Josef Neubacher bestellt.

Da es nun schon 11 Uhr wird danke ich allen Altkommissären und Vereinigten sowie Funktionären für die geleistete Arbeit im vergangenen Jahr und ich bedanke mich auch bei der Bürgermusik und schließe mit den Worten „ Es lebe der Vereinigte zu Tamsweg“

Viele Junggesellen, Vereinigte, die hochgeschätzten Altkommissäre A. Santner und Sepp Ehrenreich sowie Bischof Santner versorgen uns mit Jause und Getränken.
Das gesellige Beisammensein dauerte bis in die frühen Morgenstunden.

Hoher Festtag der Vereinigten 1988
Die Vesper am 18. Jänner in der Herberge. Junggesellen und Bärentrommler sind mit ihren neuen Junggesellenpräses zur Stelle und leiten die Vesper ein. Viele liebwerte Vereinigte haben sich im Saal eingefunden und werden von mir begrüßt.
Vereinigten Ehrenbischof Valentin I. kleidet den neuen Bischof Roderich I. ein und wünscht ihm Glück und Segen zu seinem hohen Amt. Nach alten Brauch beginnt er nun mit der Verlesung des Hirtenbriefes, den er stimmungsvoll gewaltet hat.
Die Bürgermusik führt uns mit Hohen Märschen besonders schön durch den Abend. Am Schluss werde ich von den Altkommissären Santner und Ehrenreich Bischof Santner und den Junggesellen nach Hause begleitet.

Hoher Festtag der Vereinigten 19. Jänner 1988
Gegen 9 Uhr holt mich Herr Altkommissär Santner in meinem Haus ab und begleitet mich zur Herberge. Die Vereinigten haben sich schon mit der Bürgermusik vor der Herberge versammelt. Pünktlich um 9 Uhr beginnt die Aufstellung zum Kirchgang, nach alten Brauch. Auch dieses Mal wird das Vereinigten-Hochamt von der Liedertafel mit der Messe eingeleitet, unser hochgeschätzter Herr Dechant hat wie immer eine andächtige Predigt vorbereitet und zelebriert das Hochamt dreispännig. Nach dem Zahlen der Auflage bringen die Junggesellen die Junggesellen in die Herberge, und das Bruderschaftsmahl beginnt.

Zwei Jubilare habe ich für die 50jährige Mitgliedschaft zu ehren: Es sind dies:
Reg. Rat Anton Neumayr, 90 Jahre
Bez. Schulinspektor i. K. Alois Santner Fötschlbauer i.K.

Beide Jubilare haben den letzten Weltkrieg mitgemacht mit viel Leid und Strapazen, der eine in Prag und der andere an der Narvikfront! So freut es uns besonders dass sie noch gesund unter uns sein können.
Weiter konnte ich auch Herrn Bez. Hauptmann, Hofrat Dr. Kissela, als äußeres Zeichen seiner Würde das Hufeisen mit dem Schwert, das von mir neu kreiert wurde, mit Zustimmung der Altkommissäre überreichen.
Es sollte das geschichtliche Symbol des Baron von Schaffman, Pfleger zu Mossham sein, der 1738 die weltliche Zustimmung zur Gründung der Vereinigten-Bruderschaft gab und dessen Nachfolger der heutige Bez. Hauptmann ist. Auch wurde unser „Ehrenbischof Valentin I.“ mit der Bischofsnadel und dem Titel Ehrenbischof der Vereinigten zu Tamsweg für seine Verdienste ausgezeichnet.
Das anschließende Hausieren nahm wie früher seinen gewohnten Kauf sodass wir pünktlich zum Ball in der Herberge eintrafen.
Zum Ball wäre zu bemerken: Die Junggesellen führen das erste Mal wieder den Reiftanz auf und verschönerten so den Ball. Vielen Dank den Junggesellen, Ihren Präses und dessen Vater Herrn Alois Huttegger, der die Tänze einstudiert hat – es war für mich, meine Familie und die Vereinigten eine große Freude.

Auch wurde die Kerzenmutter Frau Altkommissär Maria Widmayer von den Junggesellen und mir für ihre 25 jährige Tätigkeit als Kerzenmutter geehrt. Ich kann nur ein bescheidenes Dankeschön aussprechen.
Der überaus gut besuchte Vereinigtenball, musikalisch von den Suntrops umrahmt, fand mit den Tagrebell seinen Ausklang.

Maschgaratag 20. Jan 1988
Treffpunkt Kollerwirt – als ich mit Herrn Altkommissär A. Santner eintraf, waren alle Maschgara inklusive Altkommissäre schon fröhlich versammelt, ebenso die Bürgermusik. Nun ging es wie gewohnt im entgegengesetzten Sinne des Uhrzeigersinn los. Die Bürgermusik voran marschierend, Kommissär und Altkommissäre, so besuchen wir etwa 20 Stationen und treffen gegen 11 Uhr in der Herberge ein. Altkommissär Tarmann hat trotz seines hohen Alters bis zum Schluss mitgemacht. Es war wieder ein wunderschöner Maschgaratag, den wir lustig und fröhlich erleben durften.

1989

Pünktlich wie immer holt mich um 19:30 Uhr Herr Altkommissär Santner von zu Hause ab und wir begeben uns in die Herberge. Die Bürgermusik hat schon auf der Tribüne Aufstellung genommen, der Saal ist bereits voll besetzt von liebwerten Vereinigten.
Nach dem Einzug der Kommissärs und der Altkommissäre des Bischofs und der Vereinigten Würdenträgern wird am Kommissärstisch Platz genommen.
Ich begrüße die hochgeschätzten Altkommissäre die hohe Geistliche und Weltliche Obrigkeit, Würdenträger, Jubilare und die Junggesellen sowie die Bürgermusik und wünsche ihnen allen ein gesegnetes und erfolgreiches neues Jahr 1989.
Auch hatten wir einen neuen Kassier zu bestellen und wir wählten den neuen Direktor der Sparkasse Tamsweg. Siegfried Keller.
Ich danke dem scheidenden Amtsvorgänger, Direktor Harald Müller, für seine jahrelange Tätigkeit als Vereinigtenkassier.
Dir. Keller bringt in seiner Ansprache zum Ausdruck, welch hohe Ehre ihm zu Teil wird und verspricht sein Amt im Sinne der Bruderschaft auszuführen. Als Einstand zahlt er der Bürgermusik und den Junggesellen ein Fass Bier.
In einer vorangegangenen Sitzung der Kommissäre wurde der Altpräses Herr Roman Gappmayr, als neuer Schriftführer vorgeschlagen und nun von den Vereinigten bestätigt. Ich bitte beide Neugewählten am Kommissärstisch Platz zu nehmen.
Wir hatten aber noch ein paar wichtige Punkte zu erledigen und zwar:
Erstmalig wird die Junggesellenkerze vor den Kirchgang eingeholt und von der Herberge beim festlichen Einzug in die Kirche mitgetragen.
Die Kerzenmutter, Frau Altkommissärin Widmayer, freut sich ganz besonders über diese Lösung, da ihrer Meinung nach, die Kerze dadurch aufgewertet wird und nicht zu Letzt durch das Hochamt ihre Weihe erhält.

Leider sind die Junggesellen vorerst nicht begeistert, konnte sie jedoch überzeugen, dass wir dadurch unseren Vereinigten Kirchgang eine ganz besondere Note verleihen, der unserer Bruderschaft würdig ist.
Auch durfte ich Herrn Rath Obmann der Bürgermusik, zu seinem 60. Geburtstag gratulieren, und ihm im Namen der Vereinigten ein Geschenk überreichen.

Zum Maschgaratag ist zu bemerken: Wir mussten wegen der vielen Stationen und aus Zeitmangel eine Kürzung vornehmen. So werden in Zukunft nur mehr der Kommissär und die zweijüngsten Altkommissäre von den Kommissären und der Bürgermusik besucht, alle anderen Stationen bleiben gleich. Für die Vereinigtenmaschgara bleibt alles beim alten.
Die Vereinigtenauflage wurde mit Zustimmung der Vereinigten auf ATS 140,– erhöht.
Ein Schiedsgericht wurde ins Leben gerufen und soll bei unehrenhaften Vorgehn, die der ehrwürdigen Bruderschaft Schaden zufügen zusammentreten. Es besteht aus dem Kommissär, den Altkommissären, dem Schriftführer und dem Bischof. Letzte Entscheidungsgewalt hat der jeweilige Kommissär.

Die Bürgermusik spielt den Schlussmarsch und ich beende das heurige Andingen um 10:30 Uhr in der Herberge. Altkommissär Santner begeleitet mich nach Hause, wo mich noch Vereinigte besuchen und von meiner Frau sowie Tochter zu einem Umtrunk eingeladen werden.

Die Vesper:
Am 16. Jänner um 20 Uhr beginnt die Vesper in der Herberge.
Viele Vereinigte haben sich in der Herberge eingefunden, auch Altlandeshauptmann Dr. Lechner ist unter ihnen und freut sich unter seinen Vereinigten zu sein. Nach der Begrüßung sorgt die Bürgermusik für Unterhaltung.
Gegen 21 Uhr ziehen die Junggesellen und Bärentrommler samt Bären in die Herberge ein, sie führen zu Ehren des Kommissärs den Bärentanz nach alten Brauch auf. Nun wird die Wochenverrichtung und der Hirtenbrief von Vereinigtenbischof Roderich den I. verlesen; er trägt diese mit Humor, Witz aber auch mit Ernst vor. Die Vereinigten spenden ihm großen Beifall. Nach einem lustigen und fröhlichen Beisammensein beende ich die Vesper gegen 23 Uhr.

Hoher Festtag der Vereinigten 17. Jänner 1989
Pünktlich um 9 Uhr holt mich Herr Altkommissär August Santner zum Kirchgang in meinem Hause ab, und wir begeben uns in die Herberge. Eine große Anzahl von Vereinigten haben sich schon versammelt, und wir erwarten das Eintreffen der Bürgermusik mit den Junggesellen und der Junggesellenkerze. Es war ein beeindruckendes Bild, als sie am Marktplatz einmarschierten. Nun wird für den Kirchgang Aufstellung genommen und wir marschieren, voran die Bürgermusik, feierlich in die Kirche.
Nach alten Brauche wird das Vereinigten Hochamt von der Lungauer Liedertafel mit der deutschen Messe eingeleitet. Unser hochwürdiger Herr Dechant zelebriert das Hochamt dreispännig mit unsren Ehrenbischof Pfarrer Pfeifenberger und Pater Paul. In seiner Predigt würdigte er die Bruderschaft und hebt ihre Bedeutung in der jetzigen Zeit besonders hervor, vor allem, dass die Junggesellenkerze erstmalig in die Kirche getragen wird und so ihre Weihe erhält – dies fand auch bei den Vereinigten höchste Anerkennung.
Vermerken möchte ich noch, dass auch der ORF Salzburg unter der Leitung von Herrn Wolf Dietrich Isar anwesend war und Aufnahmen gemacht hat, die abends im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Nach dem Kirchgang zahlen die meisten Vereinigten die Auflage, und das Bruderschaftsmahl beginnt pünktlich um 13 Uhr in der Herberge.
Nach der Begrüßung der liebwerten Vereinigten darf ich noch liebe Freunde ebenfalls Vereinigte willkommen heißen.
Es waren dies: Altlandeshauptmann DDr. Hans Lechner und den Präsident v. Salzburger Landtag Hans Schmidinger.
Einen Jubilar habe ich für die 50zig jährige Mitgliedschaft zu ehren: Unseren Franz Lischent Malermeister in Ruhe.
Unser Jubilar ist bekannt als Vereinigter mit Herz und Seele und es ist mir eine ganz besondere Ehre, dass ich ihn mit der goldenen Vereinigtenmedaille auszeichnen konnte. So wünschen wir ihm noch viel Gesundheit und Glück für seinen weiteren Lebensweg.
Nun bitte ich unseren hochwürdigen Herrn Dechant um das Tischgebet und wir beginnen mit dem Mahle, das die Bürgermusik musikalisch umrahmt.
Um 14 Uhr beginnen wir mit dem Hausieren, das in gewohnter Weise im Sinne des Uhrzeigers stattfindet, an der Spitze Stabführer der Bürgermusik André Widmayer.´

Der Vereinigte Ball:
Pünktlich um 8 Uhr beginnt der Vereinigten Ball, der ausgezeichnet besucht ist. Ich begrüße die hochgeschätzten Altkommissäre mit Gattinnen, Ehrengäste und die liebwerten Vereinigten samt Ihren Familien. Die Junggesellen eröffnen den Ball mit dem Reiftanz.
Die Suntrops tragen einen großen Teil zu unsrer guten Stimmung zu und man tanzt bis in die frühen Morgenstunden. Auch die Junggesellen führen noch zwei Tänze als Mitternachtseinlage auf, nämlich einen Schuhplattler und den Zillertaler Hochzeitsmarsch. Meine Frau, meine Tochter und ich verlassen den Ball gegen 3 Uhr Früh. Um 4 Uhr früh besuchen uns zu Hause noch die Junggesellen beim Tagtrommeln. Es war ein lustiger Vereinigten Ball.

Mascheratag 18. Jänner 1989

Wie gewohnt treffen wir uns beim Kollerwirt viele Maschgara haben sich schon eingefunden, als Altkommissär Santner, Altkommissär Hochleitner und ich eintreffen. Die Altkommissäre Ehrenreich, Gappmayer, Lüftenegger und Kandolf treffen wenig später ein, sowie die Bürgermusik. Nun brechen wir zum Maskara auf wie üblich in verkehrten Sinne des Uhrzeigers. Zu bemerken ist, dass besonders viele und schöne Gruppen sich beteiligt haben, was mir große Freude bereitete.
Wir besuchten ca. 20 Stationen und werden bestens mit Speis und Trank versorgt. Gegen 11 Uhr kommen wir in die Herberge, wo Altkommissär Sepp Lüftenegger die Schlussworte spricht und wir zum Ausklang eine Stunde mit den hübschen Vereinigten-Maschgara verbracht haben.

Am Ende meiner 3 jährigen Amtszeit möchte ich „Dankeschön“ sagen für die entgegengebrachte Ehrenbietung, die mit und meiner Familie durch Euch zuteil wurde.
Den liebwerten Vereinigten, den hochgeschätzten Herrn Altkommissären, Bischöfen und Leviten, dem Lader, Schriftführer und Fähnrich sowie den Kassieren.
Ich ward in unseren Hause willkommene Gäste. Und schließe mit den Worten
„Es lebe der Vereinigte zu Tamsweg“.

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